15. – 21. Juli 2018: “Ich bin ein Schriftsteller ohne Sprache”
Begegnung mit Senthuran Varatharajah

Lucas van Valckenborgh, der Turmbau zu Babel (1595)


 

«Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache; um aber die Sprache zu erfinden, müsste er schon Mensch sein.» – Wilhelm von Humboldt

 

Liebe Denkerin, lieber Denker,

wer auf der Suche nach Inspiration und Erholung ist und der Kunst des gelingenden Lebens auf die Spur kommen möchte, der ist im Château d’Orion, dem Gäste- und Kulturhaus am Fuße der Pyrenäen, genau richtig. Wo könnte man besser über Wesentliches nachdenken als unter der alten Platane mit Blick auf Wiesen, Weiden und Wälder oder vereint um das prasselnde Lagerfeuer?

Reden wir über Sprache. Wir benutzen sie selbstverständlich, missbrauchen sie ständig, finden uns darin nicht zurecht, sind sprachlos oder “ein Schriftsteller ohne Sprache”, wie Senthuraran Varatharajah von sich selbst sagt. Ein Paradox oder eine Sehnsucht? Das Ende meiner Sprache ist das Ende meiner Welt, will uns Wittgenstein weismachen. Darüber wollen wir reden, diskutieren, schreiben und am Ende veröffentlichen, was erarbeitet wurde.

Wir stellen uns fragen und suchen gemeinsam nach Antworten oder wenigstens nach Thesen. Was wäre die Welt ohne Sprache? Was bedeutet sie uns? Brauchen wir 8000 verschiedene Sprachen auf dieser Welt? Was, wenn es nur eine gäbe? Welche? Beginnt der Krieg, wenn das Sprechen aufhört? Können wir eine neue Sprache für die Diplomatie erfinden? Ist Identität ohne Sprache denkbar?

Reden wir also über Sprache! Um uns zu orientieren, begegnen wir dem Schriftsteller Senthuran Vartharajah in Château d’Orion.

Das Konzept ist einfach erläutert: Von Montag bis Freitag ist tagsüber Zeit zur Beschäftigung mit der Frage des Tages vorgesehen. Diese Frage wird innerhalb der Gruppe der Teilnehmer (bis zu 12 Personen) nach dem Frühstück  gefunden und vor dem Abendessen erörtert. Anschließend soll zum Ergebnis des Tages ein Beitrag in unserem Blog veröffentlicht werden.


Senva (2)Senthuran Varatharajah 
(*1984) ist im Jahr 2016 mit dem Roman Vor der Zunahme der Zeichen  ein beachtenswerter Erfolg gelungen. Er ist als Kind zusammen mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder aus Sri Lanka nach West-Berlin geflohen. Er studierte Philosophie, evangelische Theologie und Kulturwissenschaften in Marburg, Berlin und London und veröffentlichte 2016 seinen Debütroman „Vor der Zunahme der Zeichen“, für den er vielfach ausgezeichnet wurde. Es ist die Geschichte von zwei jungen Menschen, die als Kinder mit ihrer Familie aus Kriegsgebieten nach Deutschland geflohen sind, sich auf Facebook kennenlernen und dort Erfahrungen, Ängste, Sehnsüchte teilen. Fein und reflektiert schreibt Varatharajah über Erinnern und Vergessen, Herkunft und Ankunft, das Fremdsein und die Grenzen der Sprache.


Prä|Position ist ein literarischer Raum für kulturphilosophische Kritik. Seine Herausgeber Konstantin Schönfelder und Holm-Uwe Burgemann nehmen an unserer Begegnung mit Senthuran Varatharajah teil und werden diese Denkwoche dokumentieren.

Bitte hier reinschnuppern!


Wochenplan

Wochentag Tagesprogramm
Sonntag, 15. Juli Anreisetag mit Abendprogramm: Begrüßung, Vorstellung der Équipe und Ausblick auf die anstehende Begegnungswoche, gemeinsames Diner
Montag, 16. Juli 1. Frage des Tages von Senthuran Varatharajah
Dienstag, 16. Juli 2. Frage des Tages aus dem Teilnehmerkreis
Mittwoch, 17. Juli Gemeinsamer Tagesausflug in die baskische Stadt Bayonne.  Um der baskischen Kultur näher zu kommen, treffen wir dort auf einen traditionellen Männerchor.
Donnerstag, 18. Juli 3. Frage des Tages aus dem Teilnehmerkreis
Freitag, 19. Juli 4. Frage des Tages aus dem Teilnehmerkreis
Samstag, 20. Juli Verabschiedung nach dem Frühstück
Frühstück täglich um 9h, Mittagessen um 13h (optional), Abendessen um 19h30. Begegnungszeiten vormittags von 10h bis 11h, nachmittags von 17h bis 18h30.

Änderungen je nach Wünschen der Gruppe vorbehalten.