14. – 20. August 2016: Humanismus reloaded

Humanismus ist die Antwort auf die Unordnung der Gegenwart, die neuen Religionskriege, die Globalisierung und Ökonomisierung
Julian Nida-Rümelin

Jeder Film enthält eine These über das Leben und dem, was es zusammenhält. Über Filme reden heißt auch, darüber zu reden, was es bedeutet ein Mensch zu sein
Nathalie Weidenfeld

Zwischen Platon, Kant und Hollywood

Referenten: Nathalie Weidenfeld und Julian Nida-Rümelin
Veranstaltungsort: Château d’Orion

Vielen Menschen wird heute bewusst, dass die Unordnung der Welt, der neue Fanatismus und Fundamentalismus, die neuen Religionskriege, die Ökonomisierung der Lebensverhältnisse einer kraftvollen Antwort bedürfen. Das Denken und die Praxis des Humanismus hält diese bereit. Dieser muss aber erneuert und revitalisiert werden.

Wir werden Gedankenreisen in die Philosophiegeschichte (von Platon über Epiktet bis Kant) unternehmen, um die Ursprünge des Humanismus zu verstehen – uns aber auch mit seinen wichtigsten Gegnern, den unterschiedlichen Varianten des traditionellen und des zeitgenössischen Anti-Humanismus, befassen.

Anschaulich wird humanistisches Denken aber erst in der politischen und kulturellen Praxis. Daher werden wir die humanistische Philosophie mit dem Film in Verbindung bringen. Ist die Tatsache, dass im klassischen Film der Protagonist im Laufe eines Filmes Erkenntnis gewinnt und eine innere Veränderung erfährt, ein Indiz dafür, dass alle klassischen Filmgeschichten einen humanistischen Kern besitzen? Was macht eine Filmfigur zu einer humanistischen Figur? Gibt es einen typisch humanistischen Filmstil und was macht einen Film wie Leni Riefenstahls Olympia zu einem anti-humanistischen?

Filmtipps: Minority Report / L.A. Crash/ The Gambler

Referenten

Die Schriftstellerin Nathalie Weidenfeld wurde in Frankreich geboren und wuchs zweisprachig in Deutschland auf. Sie studierte an der Ludwig Maximilians Universität München amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte und wurde 2005 an der FU Berlin promoviert. Heute lehrt sie in München Filmtheorie. Sie publiziert Sachbücher und belletristische Werke, zuletzt: Die Orangenprinzessin (Marion von Schröder 2001), Hundert Arten den Mond zu sehen (Marion von Schröder 2002), Das Drama der Identität im Film (Schüren 2012) und Der Tag, an dem Mama die Krise kriegte (Knaus 2015).

Julian Nida-Rümelin gehört neben Jürgen Habermas und Peter Sloterdijk zu den renommiertesten Philosophen in Deutschland. Er ist Professor der Philosophie und der Politischen Theorie an der Ludwig Maximilians Universität München und leitet dort den berufsbegleitenden Masterstudiengang Philosophie-Politik-Wirtschaft sowie das interdisziplinäre Münchner Kompetenzzentrum Ethik. Er ist Autor zahlreicher Bücher, zuletzt hat er sich intensiv mit Bildungsfragen befasst: Philosophie einer humanen Bildung (Edition Körber 2013), Der Akademisierungswahn: Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung (Edition Körber 2014) und Auf dem Weg in eine neue deutsche Bildungskatastrophe: Zwölf unangenehme Wahrheiten zusammen mit Klaus Zierer (Herder 2015).

In Zusammenarbeit mit ZEIT-Reisen