22 Mai

Die Macht des Einzelnen

Alfred Herrhausen, Ausnahmemanager und ehemaliger Chef der Deutschen Bank, forderte einst: „Wir müssen das, was wir denken, sagen. Wir müssen das, was wir sagen, tun. Wir müssen das, was wir tun, dann auch sein.“ Dass aus der zunehmenden Freiheit, das Gedachte zu tun und zu sein, und der daraus folgenden Macht auch eine große Verantwortung erwächst, wusste und betonte er Zeit seines Lebens nachdrücklich. Gemeint waren mit dieser Forderung die Banken, die internationale Finanzwelt, das kapitalistische System.

20160418.121344_Château_d_Orion_7325Dieselben Maxime verfolgt heute Prof. Günter Faltin – nur auf einer anderen Ebene. Der Unternehmensgründer und Business Angel glaubt an die Macht des Einzelnen und daran, dass jeder Mensch ein Entrepreneur und dabei wirtschaftlich und sozial erfolgreich sein kann. Wenn der Einzelne das tut, was ihm sinnvoll sowie erstrebenswert erscheint und ihm liegt, kann er seine Handlungsfähigkeit gegenüber den ihn umgebenden Systemen behaupten und die Autorenschaft über sein Dasein zurückgewinnen. Nach der Devise „Think big, start small“ ermutigt Faltin in Workshops und Seminaren zu neuem Denken und Handeln für mehr Kreativität und zivilgesellschaftliches Engagement im unternehmerischen Bereich.

So auch während einer Denkwoche zum Thema „Entrepreneurship als Entwicklungspotenzial – für den Einzelnen und die Gesellschaft“, die vor rund einem Monat in Château d’Orion stattfand. Zwölf Visionäre haben gemeinsam mit Prof. Günter Faltin sechs Tage lang vor-, nach- und quergedacht, um ihr eigenes Entwicklungspotenzial zu ergründen. Christian Feidner und Andreas Meyer, denen die Teilnahme an der Denkwoche mit Stipendien des Freundeskreises Château d’Orion e.V. ermöglicht wurde, haben ihre Eindrücke mit uns geteilt. Hier ihr Bericht: Denkwoche mit Prof. Günter Faltin.

12 Mai

Sinnesbildung durch sinnliche Bildung

Wenn wir uns heute über Bildung unterhalten, so müssen wir feststellen, dass die Mehrzahl moderner Bildungs- wie auch die daraus resultierenden Lebensstile nicht ausbalanciert, sondern durch eindimensionale und eintönige Lern- und Tätigkeitsformen gekennzeichnet ist. Selten ereignen sich Lernprozesse auf mehreren Sinnesebenen zugleich, ebenso selten umfassen Berufsbilder sowohl körperliche als auch geistige Arbeit. Dabei bestätigt doch die Forschung, dass Kreativität dann wahrscheinlich wird, wenn viele Einflüsse aus möglichst diversen Quellen zu einem Ganzen synthetisiert werden.

Auf dieser Überzeugung basieren sowohl unser alltägliches Handeln in Château d’Orion gemäß dem Kopf&Hand-Prinzip als auch die Denkwochen, welche Begegnungen zwischen verschiedenen Menschen und Disziplinen schaffen. Wenn geistige Arbeit durch körperliche erprobt wird (und umgekehrt!), wird das Wirken auf eine andere Reflexionsebene gebracht – wenn Sinnesbildung durch sinnliche Bildung erfolgt, schärft dies die Sinne für Sinnfremdes und Nicht-Gewusstes. Eine Reintegration von Arbeitsformen könnte jene Probleme lösen, welche durch Kontaktverluste im Zuge der Digitalisierung und der Algorithmisierung entstanden sind, und zwar mithilfe der sinnlichen Überlegenheit des Menschen gegenüber der Maschinen. Nur wenn wir durch sinnigere (Aus-)Bildungsformen zum selbst Denken befähigt werden und die Tragweite unseres Handelns erkennen, können wir Lösungen auf komplexe, undisziplinierte Probleme der Zukunft finden.

S JansenBildungseinrichtungen und –konzepte müssen ermutigen, nicht ersticken, müssen Fragen entwickeln und nicht nur Antworten geben, müssen Unwissen (an-)erkennen und daraus Wissen generieren. Vom 24.07. – 30.07.2016  wird Stephan A. Jansen sich im Rahmen einer Denkwoche zum Thema „Sinnliche Bildung – Sieben Tage für alle, die ihre sieben Sinne beieinander haben und weiter selberlernen wollen“ mit der Zukunft der Bildung auseinandersetzen. Gegenwärtige „Katastrophen zeigen die Durchgängigkeit der Brüchigkeit unserer Gesellschaft, die Kontinuität der diskontinuierlichen Evolution und damit die Notwendigkeit des mutigen Umgangs in der Demut vor Desastern. […] Es bedarf mehr Multidisziplinarität und Ungerichtetheit in der Suche, damit man Überraschendes wie Selbstverständliches noch finden kann“, schrieb Jansen 2010 in der taz. Als Mitdenker bringt Stephan A. Jansen, der für eine sinnlichere Bildung plädiert, eigene differenzierte Erfahrungen im Aufbau von Bildungseinrichtungen und der Beratertätigkeit für Politik und Bildungsinstitutionen mit, sowie ein entstehendes Buchmanuskript, diskutable Thesen, sinnstiftende Beispiele und betörende Texte.

Darunter Jacques Rancières Buch „Der unwissende Lehrmeister“, in dem zunächst die eigentliche Gleichheit aller Intelligenzen vorausgesetzt wird, welche nicht zuletzt dem allgemeinen Zugang zu Wissen über das Internet geschuldet ist. Das herkömmliche Bildungssystem, das zwischen Lehrendem und untergeordnetem Schüler unterscheidet, ist als Konsequenz dessen unzweckmäßig und unbrauchbar, weil es die Distanz zwischen dem Wissen und Unwissen sowie die Überlegenheit des Lehrers gegenüber dem Schüler institutionalisiert und nur noch verstärkt. Rancière stellt die Notwendigkeit eines Wissensgefälles zwischen Lehrendem und Lernendem infrage. Das Wie des Lehrens ist ihm wichtiger als das Was. Lernt der Schüler nur die Dinge, die der Lehrer weiß, so ist seine Bildung begrenzt auf dessen bestehendes Wissen. Gibt der Lehrer ihm aber die Werkzeuge an die Hand, selbst zu lernen und sich Wissen und Fähigkeiten selbst anzueignen, so eröffnet sich ihm ein unerschöpflicher, potenzieller Wissenshorizont.

„Bildung ist nie nur ein Produkt, sondern eine sich selbst verstärkende Anregung zum individuellen Verständnis von Welt“, weiß auch Jansen. Und gerade darin liegt die Chance auf eine Bildung mit Zukunft für eine sinnvolle Zukunftsbildung.

 

26 Apr

Kluge Köpfe, kleine Kreise

Welche Funktion Salons im 21. Jahrhundert einnehmen können

 

Als ich im Jahr 2000 meine journalistische Karriere aufgab, reifte der Plan, die versunkene Welt der Salons wiederzubeleben. Ich wollte inspirierende Begegnungen und einen Raum für tiefe Diskussionen schaffen, ohne dabei von Sendezeiten getrieben, dem Auge der medialen Öffentlichkeit beeinflusst und durch Mikrofone von Gesprächspartnern getrennt zu werden. Alle sagten, das geht nie – Fernsehen, Film und nicht zuletzt die Dynamiken des World Wide Web haben uns so zerstreut, dass der regelmäßige Salon unmöglich geworden ist.  Allen Unkenrufen zum Trotz habe ich die Denkwochen in Château d’Orion erfunden.

Die Geschichte der Salonkultur ist ebenso farbenprächtig wie kontrastreich. Die Salons und ihre Salonieren sind Zeugen eines veränderten gesellschaftlichen Bewusstseins, das sie gleichzeitig entscheidend mitgeprägt haben. Die Wurzeln der Salonkultur reichen bis in die Antike. Die Hetäre, das griechische Freudenmädchen, das gleichermaßen sinnlich wie gebildet ist und sich von den Fesseln der Gesellschaft befreit hat, darf als Vordame der Salonieren gelten.

Im frühen 12. Jahrhundert wurde die “Respublica Literaria” (die Gelehrtenrepublik) immer wichtiger als Verbindungseinheit in den von Krisen und Kriegen geschüttelten Zeiten. Die Gelehrtenrepublik als Imagination von kultivierter Gemeinschaft schuf Stätten geistigen Lebens, Akademien und Orte der Geselligkeit, an denen ein intensiver Austausch stattfinden konnte. Hier diskutierte man gelehrte Fragen, las literarische Werke, musizierte und philosophierte. Diese Idee nahm in gewissem Sinne die späteren Salons vorweg, die Akademien etablierten sich als Gegenpol zu den von der Scholastik beherrschten Universitäten.

Vorformen des eigentlichen Salons finden sich in der Renaissance. Seit seiner Entstehung ist er ein Sinnbild der Geistesgeschichte Europas wie gleichermaßen der Schauplatz einer Generalprobe der Emanzipation der Frau. Diese beiden Komponenten begründen seine Bedeutung, seine Relevanz für die Entwicklung der Gesellschaft, wie der Entwicklung von Persönlichkeiten in den vergangenen Jahrhunderten. Als Basis fungiert die Schaffung von Freiräumen des Denkens jenseits von Verordnungen und Doktrinen, Freiräumen der Begegnung jenseits ständischer Hierarchien und Freiräumen der weiblichen Entwicklung jenseits von gesellschaftlichen Zwängen und Normen. Als erster Salon der europäischen Kulturgeschichte gilt der von der Marquise de Rambouillet ins Leben gerufene.

Die Terminologie „Salon“ ist erst 1664 nachweisbar, aber die Orte der Begegnung können auch ohne festen Begriff schon sehr viel früher als einflussreich gelten. Mit Salon ist im Wortsinne der Empfangssaal des Schlosses in Versaille gemeint. Als Salon bezeichnet werden auch die Ausstellungen im Louvre. Die entscheidende Brücke schlägt der Aufklärer Diderot mit seinen kunstkritischen Schriften, ein Jahrhundert später veröffentlicht Heinrich Heine seine Sammlung von Essays und Novellen ebenfalls unter dem Titel Salon. Daran lässt sich ablesen, wie ein Gedanke zum feststehenden Begriff reifte.

Schlagen wir eine Brücke zum deutschen Bürgertum. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollzieht sich hier ebenfalls eine Wandlung hin zum aufgeklärten, gebildeten Gesellschaftsmodell. Der berühmte, manchmal sogar berüchtigte Bildungsbürger nimmt seinen Raum ein.  Mädchen entdecken das Lesen, sie verschlingen Romane. Bewegung kommt ins Bürgerliche. Im Salon trifft sich schließlich eine heterogene Gruppe zum Austausch und bildet eine neue Kultur der Elite mit einer eigenen Haltung, die sich weder rein der Wissenschaft, noch der Religion oder der politischen Grundbestimmung anschließt: Es geht um die Wonne des Denkens, Lesens und der Selbsterkenntnis um die eigenen Werte, die uns Freiheit eröffnen. Denn laut Johann Gottlieb Fichte ist es das Vorrecht des Menschen, selbst zu denken und zu urteilen – darin besteht die höchste Quelle seines Glückes.

Doch dann kamen die Salons aus der Mode und gingen in einer glamourösen Unterhaltungskultur auf. Mondänität scheint heute wichtiger als die kulturfördernde Konversation, die ohne Zeitlimit Themen bewegt, die große Gesellschaft interessanter als die Geselligkeit. Heutzutage einen Jour Fixe einzurichten ist fast unmöglich, es sei denn dort ließen sich Geschäfte machen. Sport und Reisen sind wichtiger geworden, die Medien und die Unterhaltungsindustrie dominieren unser Leben. Unsere veränderten Lebens- und Berufsbedingungen lassen Salons im alten Sinne kaum mehr zu. Die Ruhe des Genießens ist der Kurzlebigkeit des modernen Lebensvollzuges gewichen.

Sagte Schelling noch „Die Vertreibung aus dem Paradies ist ein Fall ins Denken“, so überlassen wir das Denken heute nicht selten den Talkmastern und Ihren Gästen. Meinungsbildung kommt uns täglich ins Haus. Ciaoran bemerkt über den Salon: „Wir denken daran wie an ein verlorenes Paradies!”

Eine lebenswerte, entwicklungsfähige Gesellschaft braucht Offenheit, Ernsthaftigkeit und kreative Energien, ganz besonders in Zeiten des Umbruchs, der Europäisierung und der Globalisierung. Gerade weil wir erschlagen werden von Informationen, braucht es die Kraft der kleinen Kreise. Komplementär zu den Medien, muss es kleine überschaubare Einheiten geben, Zirkel und Zellen in denen ein vitaler, leidenschaftlicher Diskurs über Fragen der Geschichte und Gegenwart stattfinden kann und die Möglichkeit diskutiert werden muss, Wissen aus Natur- und Geisteswissenschaft sinnstiftend anzuwenden. Und es braucht kluge Köpfe als Vordenker innerhalb dieser kleinen Kreise, die uns bewegen, ermutigen, hinterfragen, provozieren und Grenzen überschreiten lassen.

“L’art de vivre” – die Lebenskunst sichtbar und fühlbar zu machen, das Denkbare lebbar, dazu könnten die Salons wieder dienen. Der Salon verkörperte auf einzigartige Weise die Kultur des nach Humanität strebenden Europas. Das ist heute so wichtig wie damals. Deshalb gibt es die Denkwochen in Château d’Orion, das heißt Horizonterweiterung mit Herz und Verstand, das Glück des Denkens institutionalisieren.

14 Apr

Denkend genießen

Ganzheitliche Bildung gegen innere Verarmung

 

Wer konstatiert sie nicht, die Suche nach Gedankenaustausch über den fachlichen Horizont hinaus? Wer wüsste nicht aus eigener Erfahrung, dass speziell hart arbeitende Menschen in vielen Branchen geistig Gefangene ihres Systems sind. André Gide nennt dies die Gefahr der „inneren Verarmung”.

Als Spezialisten hervorragend qualifiziert, spüren viele eine Sehnsucht, sich dem universellen humanistischen Erbe zu widmen. Wirtschaftsunternehmen begreifen, dass ethische Sichtweisen notwendig sind, gesellschaftspolitisch Verantwortliche klagen, dass nach dem „Wirtschaftswunder” dringend ein „Bildungswunder” fehlt. Bildung ist das Kapital der Zukunft. Erst, wenn es uns gelingt, das richtige Mischungsverhältnis an ganzheitlicher Menschenbildung und pragmatischer Ertüchtigung zu finden, sind wir gerüstet für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts.

Dr. Eberhard von Kuenheim, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Motorenwerke, analysiert Paradoxien gegenwärtiger Anforderungsprofile so: Wir müssen weltweit präsent sein und gleichzeitig lokal, wir müssen uns zentral organisieren und gleichzeitig dezentral, wir müssen exakt planen und dennoch dabei äußerst beweglich agieren. Er sieht den Schlüssel gegenwärtiger und künftiger Anforderungen in der Orientierung durch umfassende Bildung:

„Die Wirtschaft braucht den gesamthaft geformten, den gebildeten Menschen; und der geht aus unseren Betrieben nicht hervor. Dazu sind die Regeln zu einseitig, und sie setzen zu spät ein. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.

Unsere konkrete Aufgabenstellung führt zur Spezialisierung. Aber Spezialisten allein werden die Fragen der Zukunft nicht lösen. Denn die Herausforderungen für das nächste Jahrhundert werden uns vor Veränderungen stellen, die wir mit der industriellen Revolution des letzten Jahrhunderts zumindest gleichsetzen müssen. Alles wird ständig und gleichzeitig in Bewegung sein.”

Viele sehen wohl, dass sie sich in immer schmaleren Segmenten hervorragend auskennen, dafür die Komplexität, das gesamte Muster nicht mehr erkennen. Leider scheitern die meisten beim Versuch etwas zu ändern, an mangelnder Zeit, Gelegenheit oder vielleicht auch an der Inspiration, wie denn dem Leben noch eine vertiefende Variante abzugewinnen sei. Die Denkwochen in Château d’Orion sind diese Anstiftung zum Entdecken und Staunen.

Ferien und Urlaub, besagen Untersuchungen, bilden inzwischen keine Antiwelt mehr zum Alltag. Erholung ist geprägt vom vermittelten Inhalt. Die Seele baumeln lassen, ist eine Sache; die geistigen Kräfte zu mobilisieren, damit sie den Wert des Gelebten erkennen, eine andere. Inmitten einer so schnelllebigen, fordernden Welt fällt es zunehmend schwer, innezuhalten und eine Pause im klassischen Sinne einzulegen. Die Zeit läuft und wir können sie nicht aufhalten. Wir können sie aber verdichten, das wusste auch Roger Willemsen.

Nicht Zeitvertreib, sondern Zeitgenuss ist das Stichwort. Daher ist die Denkagentur der Schritt in eine neue Erholungsdimension und Château d’Orion der richtige Ort. Untermauert wird das Konzept der Denkwochen durch die wissenschaftliche Erkenntnis, der Mensch fühle sich dann am besten erholt, wenn er sowohl geistige als auch körperliche Anregung findet.

Leib und Seele in Gleichklang zu bringen, heißt Erfahrung mit Szenerien und Szenarien zu sammeln, die man bisher noch nicht berührt oder lange vernachlässigt hat. Die Universität Witten-Herdecke bietet ihren Studenten ein Studium Fundamentale an, das die jungen Leute mit Begeisterung absolvieren, ermöglicht es ihnen doch, nicht nur in den gewählten Studienfächern, Kenntnisse zu erwerben. Philosophie ergänzt das Fach Betriebswirtschaft, Mediziner belegen Videokunst oder Komposition. Erst die interdisziplinäre Einordnung von Wissen, das Verknüpfen von erworbenen Details, macht den ganzen Menschen aus. Nach diesem Prinzip denkt und handelt auch Stephan A. Jansen, der an der Universität Witten-Herdecke promoviert hat, Gründungspräsident der Zeppelin Universität war, als Beirat einer Flüchtlingsuniversität (KIRON University) tätig ist und sich – auch im Rahmen einer Denkwoche im Juli dieses Jahres – mit sinnlicher Bildung beschäftigt.

Für Erwachsene jenseits des Studiums, die im Arbeitsprozess stehen, gibt es wenig Möglichkeiten der Vertiefung von Sujets außerhalb des Berufsfeldes über einen längeren Zeitraum. Dabei wissen wir aus Erfahrung, es gibt einen guten Grund, dies zu ändern: Erkenntnisse zu gewinnen, kann ein Abenteuer sein; den Geist zu bewegen, bringt Segen.

Die Chance, die aus der Begegnung von Wirtschaft, Politik, Geistes- und Naturwissenschaft entsteht, haben amerikanische „think tanks” längst erkannt. In Deutschland, so wird dagegen beklagt, tauschen sich die einzelnen Fachdisziplinen noch viel zu wenig aus. Die Denkagentur Château d’Orion ermöglicht Begegnungen von Menschen, die sich sonst kaum kennen lernen würden. Spielerische Begleiterscheinung der Idee: Systemgrenzen werden überschritten und der Horizont erweitert. Auf indirektem Wege werden so die vom täglichen „Metro-boulot-dodot”, dem alltäglichen Trott, verschlossenen Denkgemächer wieder zugänglich gemacht. Um über den Tellerrand hinaus zu sehen, brauchen wir Erkenntnisse und Erfahrungen. Kenntnisse aus Literatur, Naturwissenschaft, Kultur, Geschichte können Quereinstiege sein, um gedankliche Sackgassen zu öffnen. Diese Fähigkeit wiederum stellt laut Stephan Gutzeit eine Schlüsselqualifikation gegenwärtiger Verantwortungsträger aus Wirtschaft und Politik dar.

Im lebendigen Diskurs sieht auch der Philosophieprofessor Odo Marquard die Chance, der Informationsflut Herr zu werden. In der Mitteilung an einen anderen und durch dessen Ergänzung setzt sich Wissen zusammen. Es wird gleichsam nicht aufeinander gestapelt, sondern hin und her bewegt und ergibt damit eine Gesamtansicht. „Modernität braucht Langsamkeit, braucht Menschen, die innehalten können, auch in einer beschleunigten Welt”, sagt Odo Marquard. Und er weiß auch: „Wir ertrinken in Information und hungern nach Wissen.“ Vor lauter Wissbegierde dürfen wir jedoch nicht versäumen, die zahlreichen Informationen zu durchdringen, zu reflektieren und sie in größere Zusammenhänge einzuordnen.

04 Apr

Kein Ende dem Staunen

Wie Forschung und Erkenntnis Zugänge zu den Geheimnissen der Welt schaffen

 

Die in der Epoche der Aufklärung herbeigeführte wissenschaftliche Revolution hat das allgemeine Verständnis der Naturwissenschaften bis heute geprägt. Bedient sich der Mensch seines eigenen Verstandes, wird er der bedrohlichen Natur habhaft und lernt sie zu entzaubern, so die allgemeine Auffassung. Der Heidelberger Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer hält dagegen: In seinem 2014 erschienenen Buch “Die Verzauberung der Welt” zeichnet er ein Bild der Naturwissenschaften, in dem Erkenntnis und Geheimnis Hand in Hand gehen und erst das Forschen den wahren Zauber zu enthüllen vermag. Von welcher Tragweite diese Theorie ist, warum sie Hoffnung schenkt, was den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften gemein ist und was die Besucher der im Juni stattfindenden Denkwoche mit Ernst Peter Fischer erwartet, beschreiben unsere Rezensenten Dr. Gerhard F. Schneider und Traute Fischer im Folgenden.

 

“Die Naturwissenschaften haben mit Beginn der Neuzeit vor rund 500 Jahren Fahrt aufgenommen und boomen geradezu exponentiell seit Beginn der Moderne vor rund 250 Jahren. Die neuen Erkenntnisse lösten Paradigmenwechsel und kulturelle Revolutionen aus, sie veränderten Weltbilder. Ein Leben, wie wir es heute führen, wäre ohne die Entdeckungen des letzten halben Jahrtausends nicht möglich. Und trotzdem scheinen viele Menschen anders als im Falle der Produkte der Kunst gegenüber den Produkten der Naturwissenschaften ein eher distanziertes Verhältnis zu hegen. Das mag sicherlich daran liegen, dass die naturwissenschaftlichen Entdeckungen oft schwer verständlich sind, aber auch daran, dass die Risiken und Nebenwirkungen darauf basierender Erfindungen zunehmend eine abschreckende Wirkung haben. Ganz bestimmt aber auch daran, dass viele Menschen – und hier gerade die Romantiker unter ihnen – glauben, die Welt würde, je tiefer man in die Geheimnisse der Natur vordringt, zunehmend entzaubert werden.

Während der bevorstehenden Denkwoche in Château d’Orion wird es Ernst Peter Fischer sicher gelingen, jene Pessimisten vom Gegenteil zu überzeugen. Von Kopernikus bis Heisenberg gelingt es ihm, denen, welche keine, oder nur wenige naturwissenschaftliche Vorkenntnisse haben, wesentliche Entdeckungen der Naturwissenschaften verständlich zu machen. Er vermag es aufzuzeigen, welcher Zauber in diesen Entdeckungen und dem Weg dorthin liegt, welche Faszination von deren Entdeckern ausgeht und wie sie um und mit ihren Werken gerungen haben. Ernst Peter Fischer wird die Teilnehmer der Denkwoche mit der Erkenntnis entlassen, dass in der Natur und in Kunstwerken vergleichbare Gesetzmäßigkeiten von enormer Bedeutung verborgen sind. Nach dieser Woche werden sie erahnen können, dass der durch den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik beschriebene „Wärmetod“ für das gesamte Universum und uns Menschen von weit höherer Tragweite ist als der in „Tristan und Isolde“ besungene „Liebestod“ zweier tragischer Figuren. Sie werden ein Gespür dafür bekommen haben, dass die durch die Allgemeine Relativitätstheorie entworfene, das Universum durchziehende und die Planeten umwallende, elastische Raumzeit im Großen und Ganzen das darstellt, was hier auf unserer Erde Umhüllungskünstler mit Tüchern zu vollziehen versuchen. Vor allem Kunstbeflissene werden erkannt haben, welch großartige Kunstwerke in der Natur verborgen sind und von jetzt an Rudolf Clausius und Albert Einstein sowie ihren Entdeckungen die gleiche Würdigung und Aufmerksamkeit entgegenbringen, wie sie dies im Falle von Richard Wagner oder Christo und Jeanne-Claude und deren Werken zu tun pflegen.

Auch wenn die Naturwissenschaft sich weiter am Baum der Erkenntnis ergötzt – sie ist weit, sehr weit von der göttlichen Omniszienz entfernt. Der Raum des Wissens ist unendlich groß. Wer auch immer darin eine weitere Türe öffnet, wird in der Unendlichkeit dahinter wieder neue Türen finden, welche geöffnet werden wollen. Wenn wir mit der uns seit dem Sündenfall angeborenen Gier nach Wissen vernünftig umgehen, wird uns die Natur ohne entzaubert zu werden weiterhin mit ihren Kunstwerken verzaubern.

Unser Staunen wird so nie ein Ende finden.”

 

CdO_Scene_ouvert_2013_44Dr. Gerhard F. Schneider ist als ehemaliger Vertriebsmanager in der Pharmaindustrie nach eigener Aussage naturwissenschaftlich vorbelastet und hat seinen Horizont im Ruhestand kulturwissenschaftlich erweitert.

 

 

 

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Traute GartzkeTraute Gartzke ist ehemalige Lehrerin für Geschichte und Französisch. Ihr Philosophicum hat sie bei Carl Friedrich von Weizsäcker gemacht.

31 Mrz

Gelebte Philosophie

Eine Woche für Gesundheit, Lebensfreude und Wohlbefinden

Es war die Sehnsucht nach einem Ort, an dem Geist und Genuss zusammenfinden und die Balance zwischen Hand und Kopf wiederhergestellt wird, um daraus ganz neue Erkenntnisse zu gewinnen, die uns antrieb, unseren Lebensmittelpunkt nach Südwestfrankreich zu verlegen. Bald entsprang daraus die Idee der Denkwochen, welche einen Raum bieten sollten, in dem Gegebenheiten und Systeme hinterfragt werden sowie aus der Kommunikation mit anderen heraus mutige Ideen formuliert und Alternativen gedacht werden können. Claus Albermann, Lehrer für Taiji und Qigong sowie Gründungsmitglied des Taijiquan und Qigong Netzwerk in Hamburg, wird sich im Rahmen einer Denkwoche im Juni dieses Jahres deshalb der Frage widmen, wie ein Leben im Einklang mit Körper und Geist möglich ist und das Denken beweglich bleibt. Seine Erwartungen an die Woche hat er schon vorab mit uns geteilt:

Claus Albermann„Während der Denkwoche mit dem Thema „Bewegte Philosophie – das Gute Leben im Einklang mit Körper und Geist“ werden wir das Experiment wagen, geistige und körperliche Inspiration zu kombinieren. Im Erforschen und Erleben, wie sich Körper und Geist wechselseitig stärken und ergänzen können, lässt sich erfahren, was die Beiden verbindet und wie sie zum Wohle unseres ganzen Daseins wirken können.

Schon vor dem Frühstück werden wir mit Hilfe von sanften, entspannten und gleichzeitig aufmerksamen Übungen den Körper und den Geist miteinander in Kontakt bringen. Auf diese Weise wird spürbar, dass sie auf ganz besondere Weise energetisch miteinander verbunden sind. Nach dieser Einstimmung in den Tag sind die Sinne geschärft und Körper und Geist erfrischt, sodass sich das gemeinsame Frühstück als noch schmackhafter und nährender erweisen wird.

Steht zunächst der Körper mit seinen Bedürfnissen in unserem Fokus, so erlauben wir dem Geist anschließend in den Stunden vor der Mittagspause in den Mittelpunkt unseres Interesses zu rücken – in der Auseinandersetzung mit den Grundfragen der chinesischen Weltsicht. Die dort gegebenen Antworten mögen zunächst simpel erscheinen, bei näherer Betrachtung erweisen sie sich jedoch als sehr komplex. Die Konfrontation mit den Gedanken der beiden großen chinesischen Philosophien, dem Konfuzianismus und dem Daoismus, trägt zu einer erweiterten Sicht auf die Welt bei.

Chateau Orion

Nicht nur der Körper, auch der Geist muss ruhen, um leistungsfähig zu bleiben und wird bei einem Tee unter der Platane, einem Spaziergang durch die grüne Landschaft oder einer Erkundungstour der Umgebung des Château d’Orion Gelegenheit dazu haben. Die späten Nachmittage werden damit gefüllt, die Erkenntnisse des Geistes dem Körper erfahrbar zu machen. Dazu nutzen wir einige ausgewählte Übungen aus dem reichen Schatz, den uns die chinesische Kultur überliefert hat: des Qigong (Sammelbegriff für eine Vielzahl von Übungen zur Lebenspflege) und des Taiji (Handeln nach dem höchsten und letzten Prinzip). Wer möchte, lässt den (Übungs-)Tag mit einer Gehmeditation, dem „Gang des alten Gelehrten” und mit anregenden Gesprächen und gemeinsamem Austausch beim Abendessen ausklingen, welche hoffentlich die Neugier auf den nächsten wecken.

Ich freue mich auf eine besondere, erkenntnis- und erfahrungsreiche Woche sowohl für den Körper als auch für den Geist in der wundervollen Atmosphäre des Château d’Orion, welche das Erleben bereichern und hoffentlich inspirierend und stärkend bis in den Alltag hineinwirken wird.”

Und wir freuen uns auch darauf, mit Claus Albermann auf neuen Wegen das Bewusstsein für den Körper zu stärken und unser Denken auch körperlich erfahrbar zu machen!

 

29 Mrz

Denkgeschichte

Ein Blick zurück mit gemischten Gefühlen

08.04 041 Wenn ich meine Tochter in dem schäbigen, windigen Küchenabteil lachend das Geschirr abspülen sehe oder die kerzenbeschienene kleine Tafel im Schatten der Baustelle, dann wird mir warm ums Herz. Aber auch ein wenig flau. Denn es ist alles andere als selbstverständlich, dass wir heute im eleganten Salon sitzen und dort staunend die Fragen der Welt betrachten und den offenen Diskurs wagen, der in unserer Zeit so dringend gebraucht wird.

Ein hartes Stück Arbeit liegt hinter uns und heute ein kleines Wunder vor uns, das nur durch viel Wohlwollen der Familie, der Freunde und der Begleiter, die daran geglaubt haben, Wirklichkeit wurde. Am Anfang standen wir nicht nur in Ruinen, sondern auch vor der Frage: Kann man wirklich Denkwochen in die Welt bringen, wo die Menschen doch täglich am Schreibtisch schon mit so viel „Denkzeug“ konfrontiert werden?

2001 hatte ich begonnen, die Familie behutsam an meinen Denkplan zu gewöhnen. Ein Manager, eine Psychologiestudentin und ein angehender Industriedesigner wurden von mir vertraut gemacht mit einem Konzept, das so gar nicht in die Zeit zu passen schien. Waren doch um uns herum alle rastlos unterwegs, immer auf der Überholspur und wollten, wenn überhaupt, Freizeit anstatt nur die Seele baumeln lassen. Wie das so schön hieß.

Zunehmend tauchten schließlich Argumente auf, die die „Akademie zur Gewinnung und Vertiefung von Erkenntnissen“, etwas später Denkwochen genannt, nährten. Beispielsweise verkündete der Vorstandsvorsitzende der BMW AG Eberhard von Kuehnheim, nur der ganzheitlich gebildete Manager könne die Probleme der Gegenwart überhaupt erkennen, geschweige denn lösen. Oder Stephan Gutzeit, der damals das European College of Liberal Arts in Berlin gegründet hatte:

„Was gewinnt ein Manager, der Goethe liest – auch Dante, Shakespeare, Rousseau und Tolstoi?

Wer diese Texte liest, begreift und sich mit ihnen auseinandersetzt, dem ist nichts Menschliches mehr fremd, der versteht andere besser und sich selbst. Das ist nicht wenig für einen Menschen, dem die Führung anderer obliegt. Wer darüber hinaus Literatur regelrecht studiert, sie also mit Disziplin und Einfühlungsvermögen analysiert, mit Gleichgesinnten bespricht und dann selbst Schriften verfasst, lernt gut und klar zu schreiben, zu reden und zu denken, keine unbedeutende Schlüsselqualifikation auch das. Nicht zuletzt gewinnt er eine neue Auffassung von Gewinn, indem er versteht, daß neben Zahlen und Fakten auch anspruchsvolle Inhalte, ein guter Stil, nachhaltige Lebensqualität und andere ‚weiche Faktoren‘ wichtig sind – woraus folgt, daß er diese Momente verstehen muß, durchaus auch im Interesse der Bilanz seines Unternehmens, des Gewinns im engeren Sinn.“

Zweifel an der Akkumulation von Wissen wurden laut, das verknüpfende Denken versprach Orientierung, Sinnsucher machten sich auf den Weg, stellten neue Fragen.

Ein Blick zurück in erste Denkzeiten sei gestattet. Mit der Frage „ Ist das Ich eine Illusion?“ und einem philosophischen Blick auf neurobiologische Erkenntnisse sind wir damals gestartet. Der Wissenschaftsphilosoph Prof. Thomas Metzinger war es, der uns anleitete, darüber nachzudenken, ob wir tun was wir wollen oder wollen was wir tun.

Biarritz en 1900 - Page 8 308Die Küche hat sich seither verändert, unser Denken auch. Was bleibt ist die Vision, durch gedankliche Bewegung Perspektiven zu öffnen. Wie gut, dass es dazu immer neues Futter gibt. Deshalb hier noch ein Buch-Tipp: Mit Platon in Palästina – vom Nutzen der Philosophie in einer zerrissenen Welt. Von dem kanadischen Philosophen Carlos Fraenkel.

Im Klappentext heißt es: „Die Philosophie kann die Gegensätze zwischen Religionen und Kulturen nicht aufheben. Aber sie zeigt uns, wie wir Positionen begründen und Argumente austauschen können – was in einer Welt der Sprachlosigkeit und Gewalt viel bedeutet.“

Dem schließen wir uns gerne an. Oder nehmen wir Goethes Worte:

„Seht, …, was wäre ich denn, wenn ich nicht immer mit klugen Leuten umgegangen wäre und von ihnen gelernt hätte? Nicht aus Büchern, sondern durch lebendigen Ideenaustausch, durch heitere Geselligkeit müsst ihr lernen.“

Chateau von FerneAuch dem schließen wir uns gerne an und preisen beides, Buch und Gespräch, Geist und Genuss im Château d’Orion.

 

 

10 Mrz

Ein Stern im Béarn

…heißt der Titel des Buches, das eine befreundete Autorin geschrieben hat.

Claudia_BuchWie es dazu kam, ist auch schon wieder eine Geschichte. Claudia Tebel-Nagy wollte sich eigentlich nur ein wenig erholen unter der Platane mit Blick auf die Pyrenäen. Bei ihrer Ankunft tippelte mit kleinen, unbeholfenen Schritten eine schmales Persönchen an ihr vorbei, einen Stock in der Hand, auf ihren Lippen ein Lächeln: „Bonjour Madame!“ grüßte Madame Marguerite Labbé, die Tochter von Léon Bérard, ehemaliger Erziehungsminister der dritten Republik und im Krieg Botschafter im Vatikan.

Chateau d’Orion war ihr als Erbe von ihrem Mann Jean Labbé zugedacht, gewünscht hatte sie sich das nicht. Denn sie besaß weder die Kraft noch die Möglichkeiten, das langsam zerfallende Gemäuer aufrecht zu erhalten. Nach langer Überlegung verkaufte sie es an uns, eine deutsche Familie. Keine einfache Entscheidung, schließlich barg das Haus während des 2. Weltkrieges einen Hort der Resistance. Ihr Schwager Paul Labbé hatte dieses Netzwerk gemeinsam mit Freunden und Kameraden gegründet. An der Einfahrt zum Schloss wurde 1985 dazu eine Stele errichtet.

Unsere erste Begegnung fand an Ostern 2002 statt. Nieselige Apriltage, die Erinnerung an feuchte Luft auf der Haut und einem quietschenden Gartentürchen zwischen Kirchhof und Schlossübergang. Fröstelnd traten wir ein in ein Haus, das beim Betreten der Eingangshalle schon dieses seltsame „Es war einmal …“ Gefühl hervorruft. Der Literat Emanuel Berl, der eine Tochter des Hauses ehelichen wollte und verschmäht wurde, gab bei einem Interview mit Patrick Mondiano zu Protokoll: „Ich liebe dieses Orion, das Haus, in dem einen der Duft der Erinnerung die Nüstern aufblähte.“ Das war aber schon in den frühen 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Wie mußten wir uns erst fühlen, nachdem Château d’Orion schon seit den 80er Jahren einen verwunschenen Schlaf führte? In seiner Mitte Madame Marguerite Labbé, eine Schlossherrin, die  zwischen Kemenate, Kirche und Küche hin und her wandelte, einmal täglich dort aus dem scheppernden, rostigen Kühlschrank eine Creme Caramel oder ein Joghurt herausziehend.CdO_Vor_Renovierung_Innen_017

Man könnte wahrlich ins Erzählen verfallen, weil da so viele Türen zu immer neuen Erinnerungen führen. Bleiben wir bei der Begegnung von Claudia mit Marguerite. Später würde sie sagen, das war ein coup de foudre. Claudia Tebel-Nagy war blitzschnell überzeugt, dass es sich lohnte, die Geschichte der ehemaligen Besitzerin aufzuschreiben. Ja, dass es sogar ein leidenschaftlicher Wunsch wurde.

Lange Gespräche zwischen den beiden folgten und die Idee zu einem Roman reifte.

Madame_LabbeAch ja, es muss wohl noch gesagt werden, dass Marguerite Labbé noch heute in ihrem Zimmer lebt. Sie verläßt es nicht mehr, lebt in ihrer Welt mit ihren Erinnerungen und wird versorgt durch die Equipe von Château d’Orion. Sie wird nicht müde zu schätzen, dass das Haus zu neuem Leben erwachte und dafür findet sie auch Worte:

„Ich liebe Sie, die Sie dieses Haus lieben, das so geliebt wurde, von denen, die ich geliebt habe!“

 

09 Mrz

Gemeinschaft, Geist und Genuss

Ein Haus ohne Freunde ist wie ein Wald ohne Bäume.

Château d’Orion kann sich glücklich schätzen, nicht nur an vielen Orten vertraute Menschen zu wissen, sondern sogar zwei Freundeskreise um sich zu scharen. Auf der Basis der deutsch-französischen Entwicklung engagieren sich in Frankreich der Verein Rencontre d’Orion und in Deutschland Château d’Orion e.V.  für die Entwicklung von Projekten, künstlerischen Veranstaltungen und vielfältigen Begegnungen.

Maßnahmen, die Wirkung zeigen. Als wir in gemeinsamer Anstrengung die 50-jährige Freundschaft der beiden ehemals verfeindeten Staaten Deutschland und Frankreich feierten, kam Jean Dufau, der Bürgermeister des kleinen Weilers Orion auf mich zu und bekundete, er wisse erst seit wir gekommen sind, was deutsch-französische Freundschaft ist und wozu sie gut sei.

Am vergangenen Wochenende lud nun der deutsche Freundeskreis ins Gut Sonnenhausen ein, um den Mitgliedern und Interessierten eine Anmutung zu geben, wie Gemeinschaft, Geist und Genuss zu kombinieren sei.

EnzensbergerAuch Hans-Magnus Enzensberger gab uns die Ehre und war gekommen, um sich im Gespräch mit der jungen Studentin Anna Staab der Streitkultur zu widmen. Jörg Lau schreibt in seiner Biographie: „Im Leben dieses großen Schriftstellers, der die Bundesrepublik so beredt wie kein anderer verwünscht, aufgeklärt mit ihrer Mittelmäßigkeit versöhnt und abermals verwünscht, spiegelt sich zugleich ein Stück deutscher Mentalitätsgeschichte.“

Anna Staab begrüßte er mit der Maxime: „Folge Deinem Stern!“.

Janna Schwanemann, die demnächst dem Sternbild Orion nach Südwestfrankreich als Praktikantin folgen wird, hat das Wochenende in Gut Sonnenhausen beobachtet. Hier ihr Beitrag: 160308_Gastblog_Janna

03 Mrz

Was braucht der Mensch…

EvThadden…so lautete der Titel einer Denkwoche mit Elisabeth von Thadden in 2015, die im Übrigen in diesem Jahr wieder stattfindet. Nicht als Wiederholung, sondern mit neuer Kraft und ergänzenden Texten. Wir hatten im vergangenen Herbst festgestellt, dass wir zwar eine intensive und erkenntnisreiche Zeit durchlebten, aber längst nicht erschöpfend mit der Materie umgehen konnten. Eine Denkwoche lang beugten wir uns über Texte und Geschichten, erzählten uns von eigenen Erfahrungen und waren uns einig: Es muss eine Fortsetzung geben, 2016 in Kooperation mit den ZEIT-Reisen.

Die Idee, eine heterogene Gruppe aus verschiedenen Generationen zusammen an einen Tisch zu bringen, verfolgt die Denkagentur Chateau d’Orion von Anfang an. Die gegenseitige Befruchtung aus verschiedenen Blickwinkeln, Erlebnisräumen und Zeiten ist ein Reichtum unserer Begegnungen. Inzwischen gibt es eine stattliche Zahl von Denkwochen-Alumnis, die uns bis heute begleiten und deren Lebensweg wir mit Freude verfolgen. Wann immer möglich mit gegenseitiger Unterstützung.

Inzwischen hat es der Verein Château d’Orion e.V. übernommen, zwei Stipendien für junge, interessierte Teilnehmer zu übernehmen. Dieses Mal waren es die beiden Philosophie-Studentinnen Lea Ransbach und Jenny Fadranski.

Ihr Bericht spricht für sich: Bericht Denkwoche E. von Thadden 2015