14 Mai

Was macht Geschichte mit uns?

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Im vorigen Beitrag wurden anhand von Beispielen älterer und jüngerer Geschichtsinterpretationen verschiedene Anschauungen von Geschichte vorgestellt. Die Absicht war es, zu demonstrieren, dass unterschiedliche Weltanschauungen auch mit völlig verschiedenen Anschauungen unserer Vergangenheit einhergehen können.

In diesem Beitrag wollen wir durch ein anderes Beispiel zeigen, wie verschiedene Betrachtungen von Geschichte auch zu unterschiedlichen Betrachtungen unserer Gegenwart und Zukunft führen können. Wir hoffen, Sie dabei auf einen in der deutschen Öffentlichkeit vernachlässigten Bestandteil der gesamteuropäischen Geschichte aufmerksam zu machen, der interessante Implikationen für unsere Gegenwart und Zukunft hat.

Nebenbei möchten wir zeigen, dass die Identifikation der eigenen Vorfahren mit berühmten Helden aus längst vergangenen Zeiten im antiken und mittelalterlichen Europa weit verbreitet gewesen ist. Fast alle diese Helden kamen ursprünglich nicht aus demjenigen Land, in welchem sie sich letzten Endes niederlassen konnten. Dies kann einer noch nicht abgeschlossenen Debatte über das ‘Einwanderungsland Deutschland’ gegenübergestellt werden.

 

Deutschland Einwanderungsland

Nicht selten geht es in unseren Tagen um die Fragen, wer oder was eigentlich zu Deutschland oder Europa gehört und wer oder was nicht. Über die Zweckmäßigkeit dieser Fragen möchten wir uns nicht auslassen.

Hier ist für uns allein bemerkenswert, dass sie regelmäßig mit Argumenten aus der Schatztruhe der Geschichte beantwortet werden sollen. So resümiert Karl-Heinz Meier-Braun, der Herausgeber eines Buches mit dem knappen Titel Deutschland Einwanderungsland:

“Wir haben das wieder einmal geschaftt!“ Das könnte eigentlich im Herbst 2016 die Schlagzeile sein, nachdem die sogenannte „Flüchtlingskrise“ einigermaßen bewältigt wurde. … Von 1,1 Millionen Flüchtlingen war lange Zeit die Rede, die 2015 ins Land gekommen sein sollen. Vor ähnlichen Herausforderungen durch die Zuwanderung hatte das Land bereits verschiedene Male gestanden, beispielsweise als nach dem Zweiten Weltkrieg rund 12,5 Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene Zuflucht in Westdeutschland fanden. Oder als seit Mitte der 1950er-Jahre Millionen von sogenannten „Gastarbeitern“ ins Land geholt wurden, die es zu integrieren galt. In der aufgeheizten Debatte der letzten Monate geriet dies alles genauso in Vergessenheit wie auch die Tatsache, dass bereits Anfang der 1990er-Jahre rund eine halbe Million Asylanträge gestellt wurden. Fünf Millionen Spätaussiedler wurden im Laufe der Jahre aufgenommen. Die Beispiele zeigen: Deutschland ist schon seit langem ein Einwanderungsland, auch wenn das immer mal wieder in Frage gestellt wird.

Das Zitat stammt aus dem Jahr 2016. Andere Menschen sind anderer Auffassung.

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2014 lies der Geschichtslehrer und Politiker (Mitglied der ‘Alternative für Deutschland’) Björn Höcke durch einen Pressesprecher folgende Aussagen verbreiten:

„Deutschland ist kein Einwanderungsland. Daher darf auch die Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme von ernstzunehmenden Politikern keine Unterstützung erfahren. Diese Haltung der AfD ist Ausdruck gesunden Menschenverstandes.“

Recht hat er damit, dass Deutschland bisher nicht als ‘klassisches Einwanderungsland‘ gilt.

Ein offensichtliches Problem hat sein Argument dennoch: Wenn Björn Höcke nicht behaupten möchte, dass die Bevölkerung Deutschlands  wie eine Pflanze aus ‘deutschem’ Boden erwachsen ist, dann sollte er auch zugeben, dass sie von irgendwoher eingewandert sein muss.

 

Tacitus:  Germanen waren Migranten

Was heute ‘deutsch’ genannt wird, das hat nicht mehr viel mit jenen Germanen zu tun, welche der Römer Tacitus im 1. Jahrhundert n. Chr. beschrieben hat.  Viel schreibt er diesem Volk zu, was in seinen eigenen Ohren einen guten Klang gehabt hätte. Eines behauptet er dabei nie: Dass die Germanen seit Menschengedenken in Germania ansässig gewesen wären (Tacitus, Germania, 2f).

Ihm zur Folge seien sie mit Schiffen über das Meer gekommen. Auch wussten sie seinerzeit noch Geschichten über berühmte Männer der späten Bronzezeit zu erzählen: Herkules ebenso wie Ulixes (Odysseus) sei “bei ihnen” (apud eos) gewesen und letzterer als Stadtgründer und Namensgeber von Asciburgium am Rheinufer in Erinnerung geblieben.

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Rom wurde von einem Flüchtling gegründet, aber nicht an einem Tag erbaut.

Es steht geschrieben, dass die Irrfahrt eines Zeitgenossen des Odysseus im heutigen Italien endete, wo dieser Flüchtling aus Troja Städte gründete. Sein Name war Aeneas. Er wird seit der Antike als Urahn für zentrale Figuren der Weltgeschichte in Anspruch genommen.

Im Gegensatz zu Odysseus gehörte er nicht zu den Angreifern, sondern zu den Verteidigern seiner Heimatstadt. Auch wenn ihm in bestimmten Quellen Komplizenschaft mit dem Feind unterstellt worden ist, zählt Aeneas nichtsdestoweniger unter diejenigen Geflüchteten, die ihre Heimatstadt durch den Krieg verloren hatten.

Die berühmtesten drei Nachfahren dieses trojanischen Fürsten sind Romulus, Remus und Caius Iulius. Über die beiden Brüder ist Aeneas Ahnherr der ‘Ewigen Stadt’. Über Caius Iulius ist er Urvater Caesars, nach dem sich römische Potentaten sowie deutsche Monarchen seit Karl dem Großen ‘Kaiser’ genannt haben.

 

Franken als geflüchtetes Volk

Dieser letztgenannte Kaiser Karl war zugleich König der Franken. Nach diesem berühmten Volk ist nicht nur eine deutsche Region, sondern auch das ganze Frankreich benannt. Die Geschichtswissenschaft kennt sie als kriegstüchtige Sippschaft mit umstrittener Vergangenheit.

Ein als ‘Fredegar’ bekannter Chronist seines Volkes lebte lange vor dem Kaiser und Frankenkönig Karl. Er ist der erste uns bekannte Autor, der den Franken trojanische Herkunft zugeschrieben hat. Seine Chronik gibt in zweifacher Form wieder, wie die Franken aus dem Mittelmeerraum fliehen und sich schließlich am Rhein niederlassen.

Die ältere Version dieser ‘Migrationsgeschichte’ behauptet: Der Fall Trojas bedeutet zugleich den Anfang der Franken und der Römer. Wie Aeneas der Stammvater der Römer sei, so stammen die Franken von seinem Bruder Friga, dem Nachfolger des trojanischen Königs Priamus, ab.

Obendrein betont der Chronist, dass es eine Zweispaltung im Volk gegeben habe. Der fränkische Teil sei nämlich phrygischer, während der andere Teil makedonischer Herkunft sei. Nach einer Teilung wandert der makedonische Teil in sein Stammland und baut sein Volk zu einer gewaltigen Kriegsmacht aus.

Flüchtlinge zwischen Serbien und Ungarn

Der fränkische Teil irrt – durch Odysseus getäuscht – mit Frauen und Kindern durch fremde Gegenden und wählt schon auf der Wanderung den kampferprobten Francio zu ihrem Anführer. Von seinem Namen leiten sich die Franken ab.

Schlussendlich gelangt der Tross an den Rhein, wo sich die Franken niederlassen und, da sie auf der Wanderung herbe Verluste verbüßt haben, nur noch Herzöge zu ihren Herrschern wählen – in der anderen Version versucht der Chronist diese Siedlung am Rhein zu lokalisieren. Er spricht von einem zweiten Troja am Rhein.

 

Fazit

Laut antiken und mittelalterlichen Quellen ist ‘deutsches’ Land als ‘Einwanderungsland’ zu klassifizieren. Nicht nur Germanen, sondern auch Franken beriefen sich auf eine eigene Migrationsgeschichte.

Wesentlicher Bestandteil ihrer Geschichten waren Ereignisse rund um den Trojanischen Krieg. Hierunter zählen nicht nur die Taten des berühmten Aeneas, sondern auch die Erlebnisse des gerissenen Odysseus, der laut ‘Fredegar’ böswillig Einfluss auf die fränkische ‘Fluchtroute’ genommen hatte und laut Tacitus als Stadtgründer im Rheinland tätig war.

Aus dieser Perspektive betrachtet wäre es verwunderlich, falls an einem so zentralen Ort des Frühmittelalters wie Corvey nie eine Abbildung seiner Person gefunden worden wäre. Auch ein Exkurs in die Weiten der Theologie ist dann nicht mehr zwingend notwendig, um die ‘rätselhafte’ Wandmalerei von Corvey verständlich zu machen.

Welche Implikationen haben solche alten Geschichten für unsere Zukunft?

Unter Berücksichtigung tagesaktueller Ereignisse können alte Migrationsgeschichten europäischer Familien und Völker von Neuem ausgewertet werden. Die antiken ‘Migrationsrouten’ eines Aeneas, eines Odysseus oder des Volkes der Franken ähneln den Wegen zeitgenössischer Migranten nicht nur augenscheinlich. Auch die Härten und Schwierigkeiten, die sie auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft durchstehen mussten, finden Entsprechungen in unserer Zeit.

Wenn auf Gefahren hingewiesen wird, die sich aus der Migration aus anderen Kulturkreisen ergeben können, dann können die Erzählungen aus der Vergangenheit belegen, wie unsere eigene Kultur aus Migration ganzer Völkerscharen erwachsen ist. Das meinten zumindest ‘die Alten’.

Europäer können in ihrer eigenen Migrationsgeschichte einen wesentlichen Bestandteil des historischen Bewusstseins wiederentdecken und sich auf diese Weise einfacher mit Geflüchteten unserer Tage identifizieren lernen.

Von Philipp Kutsch und Clemens Zentek

In einem Monat, vom 10. bis zum 16. Juni 2018 wird in Chatêau d’Orion erstmals eine eigenständige Denkwoche zur Geschichte stattfinden. Zimmer sind noch frei und wir freuen uns auf Ihre Anmeldung!

In der Auseinandersetzung mit dem Referenten Friedemann Scriba von der HU Berlin werden wir uns an zwei Leitfragen orientieren: Was macht Geschichte mit uns? Und was machen wir mit ihr?
20 Apr

Was machen wir mit der Geschichte?

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Vom 10. bis zum 16. Juni 2018 wird in Chatêau d’Orion erstmals eine eigenständige Denkwoche zur Geschichte stattfinden. Zimmer sind noch frei und wir freuen uns auf Ihre Anmeldung!

In der Auseinandersetzung mit dem Referenten Friedemann Scriba von der HU Berlin werden wir uns an zwei Leitfragen orientieren: Was macht Geschichte mit uns? Und was machen wir mit ihr? Anhand von Beispielen älterer und jüngerer Geschichtsinterpretationen möchte ich in diesem Text verschiedene Anschauungen von Geschichte vorstellen.

Es ist nicht einfach, genau zu sagen, seit wann in Europa Geschichte aufgeschrieben worden ist. Häufig wird, um eine eindeutige Bestimmung des Überlieferten vornehmen zu können, zunächst eine Unterscheidung in mythographische und historiographische Texte getroffen.

Mythographisch sind z. B. die Texte von all jenen ‚Göttern‘, die uns Menschen zum Erschrecken ähnlich sind. Hierzu zählen auch die berühmten Schriften der griechischen Poeten Homer und Hesiod.

Historiographisch wären dann allein diejenigen Texte, welche ohne übernatürliche Wesenheiten und Ereignisse ausgekommen sind und deren Wirklichkeitsanspruch demnach wenig angezweifelt wird.

Nicht jeder, der sich mit mythographischen Texten auseinandergesetzt hat, hat sie sogleich als wertlose Fiktion von der Hand gewiesen. Als Beispiele aus der Antike möchte ich die beiden Sizilianer Diodoros und Euhemeros vorstellen.

Nach letzterem ist eine eigenständige Denktradition bezeichnet: Als ‚Euhemeristen‘ werden jene Autoren zusammengefasst, die in ‚den Göttern‘ keine transzendenten Entitäten (zu vergleichen mit dem Gott Abrahams), sondern lediglich verdienstvolle Menschen wiedererkennen wollen. Solche hervorragenden Menschen seien posthum, aus Dankbarkeit oder als Respekterweis, auf den Olymp erhoben und darüber hinaus mit übernatürlichen Kräften in Verbindung gebracht worden.

Diodoros schrieb seine ‚Historische Bibliothek‘ Jahrhunderte nach Euhemeros‘ Tod. In seinen Schriften stellte er verschiedene Versionen derselben Ereignisse und unterschiedliche Lebensbeschreibungen derselben Persönlichkeiten nebeneinander. Einige davon sind als mythographisch, andere eindeutig als historiographisch klassifizierbar. Unbenommen davon bleibt, dass sehr viele Texte der Antike sowohl mythographische, als auch historiographische Elemente aufweisen.

Allein auf Grundlage vorhandener mythographischer Elemente auf den ‚fiktionalen‘ Charakter eines vollständigen Textes zu schließen, verspricht also keinen Zugewinn. Dieses Vorgehen führt nur dazu, einen beträchtlichen Teil der Überlieferung a priori für jegliche historische Untersuchung auszuschließen.

Wie gewinnbringend das Gegenteil sein kann, hat der ‚Schatzsucher‘ Heinrich Schliemann unter Beweis gestellt. Schliemann liebte Homers Poesie und glaubte fest an den ‘wahren Kern’ der teils phantasievollen Schilderungen seines Lieblingspoeten.

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Sophia Schliemann mit einem Gehänge aus dem sogenannten ‘Schatz des Priamos’

Er wurde dafür mit unsterblichem Ruhm belohnt, indem er das sagenumwobene Troja freilegte. Und dennoch tobt um die Geschichtlichkeit sowie die Ausmaße des Trojanischen Krieges bis zum heutigen Tag eine unentschiedene Schlacht unter Historikern, Altphilologen und Archäologen.

Kennen Sie den Schweizer Erich von Däniken? Auch Däniken könnte als Euhemerist bezeichnet werden. Seine bekannte Arbeitshypothese fasste er 2015 in einem Interview mit dem SZ-Magazin zusammen:

„Vor vielen Jahrtausenden landeten Außerirdische auf der Erde. Unsere Vorfahren waren Steinzeitmenschen, die hatten keine Ahnung von Technik. Sie meinten irrtümlich, die Außerirdischen wären Götter. Die sogenannten Götter haben – ähnlich wie die Ethnologen heute – ein paar Stämme studiert, ein paar Sprachen erlernt, ein paar Ratschläge erteilt, dann sind sie wieder verduftet. Allerdings mit dem Versprechen, in einer fernen Zukunft wiederzukehren.“

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Wie Euhemeros‘ ‚Göttern‘ ist auch den ‚Göttern‘ von Däniken jegliche Transzendenz abhold. Nicht verdienstvollen Menschen, sondern leibhaftigen Außerirdischen seien mehrere längst verwelkte Blüten der Menschheitskultur zu verdanken gewesen.

Während die Euhemeristen der alten Schule die ‚göttlichen‘ Kulturbringer unter der Erde ruhend verorteten, hat Däniken sie weit über das Himmelszelt erhoben. Seine prophetische Ahnung, die Außerirdischen hätten versprochen ‚in einer fernen Zukunft wiederzukehren‘, hat erstaunliche Parallelen mit dem abrahamitischen Weltbild, das auch ein bedeutender Religionsstifter des 19. Jahrhunderts verinnerlicht hatte.

Kennen Sie ihn? Joseph Smith war der erste Prophet der Mormonen und wartete auf die Wiederkehr des Messias. Er sei von einem Engel in mehreren Visionen heimgesucht und darin über den Fundort uralter Tafeln mit kryptischen Zeichen unterrichtet worden. Freundlicherweise assistierte ihm der Engel auch bei der Übersetzung. Heraus kam das Buch Mormon.

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Wie die Bibel ist auch das Buch Mormon eine Kompilation unterschiedlicher Schriften, welche verschiedenen Autoren und Entstehungszeiträumen zugeordnet sind. Die Schriften berichten von einer Landnahme Amerikas in vorchristlicher Zeit und erzählen die verschollene Geschichte der amerikanischen Ureinwohner. Deren Vorfahren seien Israeliten gewesen. Diese seien kurz vor der Babylonischen Gefangenschaft Israels aus dem Gelobten Land in ein anderes gelobtes Land – Amerika – geflohen. So steht es im Buch Mormon geschrieben.

Ein unerschütterter Schöpfungs- und Wunderglaube hat, ebenso wie seinerzeit populäre Spekulationen über den Verbleib der verlorenen Stämme Israels, die geistige Grundlage für die Akzeptanz seines Buches durch Zeitgenossen geboten. Im 20. und 21.  Jahrhundert sind es Science-Fiction-Popkultur, der Glaube an eine Zukunft der Menschheit im Weltall sowie die Evolutionstheorie, welche Dänikens Spekulationen über eine Vergangenheit im All genährt und für seine Anhänger plausibel gemacht haben.

Am Ende dürfen Sie sich selbst fragen: Gehören Sie zu einer dieser Schulen? Sind sie ein sachlicher Euhemeros oder ein unentschiedener Diodoros? Sind sie ein Science-Fiction-Historiker oder glauben Sie an Wunder, wie es einst Joseph Smith getan hat? Haben ‚alte Mythen‘ einen Wert oder war Schliemann nur ein Zufallsfund gelungen? Und finden Sie nicht auch, dass die Geschichte mehr Fragen als Antworten für uns parat hält?

Ich freue mich auf inspirierende Gespräche zu vielen solchen Fragen, wenn wir uns vom 10. bis zum 16. Juni in Chatêau d’Orion kennenlernen!

Von Clemens Zentek

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13 Feb

Vom unüberbietbaren Wert der Gegenwart

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Welche Vision von Europa wollen wir kultivieren?

 

In der aktuellen europäischen Krise folgen auf diese Fragen meist politische Überlegungen, es werden Werte wie Demokratie, Freiheit oder Gleichheit beschworen.

Beim Treffen des Freundeskreises Château d’Orion e.V. Anfang des Monats sprach Rudolf Lüthe dagegen über philosophische Aspekte der „Idee“ Europas und stellte eine Diagnose für die europäische Erkrankung: Das gegenwärtige Europa leidet entweder unter Nostalgismus oder unter Utopismus, unter einem existentiellen Maximalismus oder Minimalismus. Allzu oft sei diese Schizophrenie ursächlich für eine fehlende Wertschätzung der Gegenwart sowie eine selbstzerstörerische und reflexionsfreie Rastlosigkeit.

In seinem Vortrag, den wir erfreulicherweise hier teilen dürfen, skizziert Lüthe daher seine Vision von Europa als die Verwirklichung einer Kultur des rechtes Maßes:

 

05 Feb

Vom Blatt bis zur Wurzel

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Angenommen, wir alle sind die Summe unserer Entscheidungen, wie der dänische Philosoph Søren Kierkegaard behauptete, so sagen unsere Vorsätze doch einiges über unser Wesen aus. Über unser Missfallen und unsere Ängste, über unser Sehnen und unsere Wünsche. Das, was wir uns entscheiden zu ändern oder auf den Weg zu bringen, wird auch uns verändern. Mit der Bestimmung Château d’Orions als Ort zum Denken und Sein war der Vorsatz verbunden, das Wesen der Dinge, die uns beschäftigen und umgeben, ganzheitlich zu durchdringen. Ein gehaltvoller Vorsatz, der etwas unkonkret erscheinen mag, denn wo sollen wir beginnen? Doch eben diese Offenheit verringert die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns und bietet zahlreiche kleine Gelegenheiten: Angefangen bei uns selbst, hin zu unserem Gegenüber und unserem Lebensraum.

Kürzlich sind wir auf ein Projekt aufmerksam geworden, welches unser Konsumverhalten in Bezug auf Nutzpflanzen in den Blick nimmt. Mit der Aktion Leaf to Root erinnert die schweizer Foodjournalistin Esther Kern an Pflanzenteile, die normalerweise keine Verwendung mehr in der Küche finden. Während das Bewusstsein für eine ganzheitliche Verwertung von Tieren nach der Schlachtung in den letzten Jahren gestiegen ist, war dies hinsichtlich Obst und Gemüse bislang kaum vorhanden. Es sind die jungen unkonventionellen und experimentierfreudigen Köche, welche die ganze Pflanze auf die Speisekarte bringen und damit Aufsehen erregen. So zum Beispiel Christoph Hauser, Küchenchef des Berliner Herz&Niere, oder René Redzepi, der mit dem Noma in Kopenhagen nicht nur den Preis für das weltbeste Restaurant erhielt, sondern auch eine neue nordische Küche begründete. Über drei Jahre hinweg hat der in Sauveterre-de-Béarn lebende Regisseur Pierre Deschamps die Entwicklungen begleitet und ein eingängiges Porträt des Spitzenkochs gezeichnet, welches Mitte des Monats im Salieser Kino sowie im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Daraus geht hervor, dass es um weit mehr als gutes Essen oder ehrenvolle Titel geht. Vielmehr haben wir es mit einer neuen KochKunst zutun, wie einst mit der Molekularküche, nur dass dieses Mal Ursprünglichkeit und Authentizität statt Verfremdung im Fokus stehen.

Leaf to Root ist heute nicht mehr eine Folge des Mangels, sondern eine Reaktion auf den Überfluss. Erst das macht die Bewegung zu einem Trend, weil sie nicht der Not gehorcht, sondern eine bewusste Antwort auf unsere Bedürfnisse als Konsumenten ist und zugleich einen Lösungsansatz für bestimmte, nicht zuletzt ökologische Probleme unseres Ernährungssystems“, so die Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler. Obwohl Nutzpflanzen länger frisch bleiben, wenn sie samt Wurzeln und Blättern eingelagert werden, bekommt der Endverbraucher diese Teile im Supermarkt nie zu Gesicht. Umso wichtiger wird der Kontakt zum Bauern des Vertrauens, unser herkömmliches Konsumverhalten taugt dem genannten Modell nicht mehr und erscheint regelrecht dekadent.

Vom Blatt bis zur Wurzel. Auf die Frage nach dem Warum gibt es viele Antworten: Zum einen bringt Exotisches aus der Region Abwechslung auf den Teller – unsere Gärtnerin Mélanie, die den Brokkoli geduldig und sorgsam aufgezogen hat, mag einen anderen Grund vorbringen. Der amerikanische Philosoph und Naturalist Henry David Thoreau sagte einmal: „Es ist nicht wichtig, was Du betrachtest, sondern was Du siehst.“ Leaf to Root funktioniert nach dem Prinzip des Sich-Interessierens für die ganze Geschichte, des Kennenlernens aller Aspekte. Sehen wir in einem Blumenkohlstrunk, Spinatwurzeln, Radieschenblättern oder Maishaar also etwas Essbares, so produzieren wir nicht nur weniger Abfall, sondern begeben uns gleichsam auf eine Entdeckungsreise.

Inspiriert von Esther Kerns Projekt, wollen wir das Prinzip Leaf to Root während der Wildpflanzen-Woche vom 22.-28. April 2018 mit Steffen Fleischhauer und Claudia Gassner ganz wörtlich nehmen. Und auch im übertragenen Sinne knüpfen wir daran an mit Denkwochen, in denen sowohl nach Ursachen als auch nach Konsequenzen gefragt wird, wie beispielsweise in der Woche zum Thema „Geschichte – Was macht sie mit uns, was machen wir mit ihr?“ mit Friedemann Scriba (10.-16. Juni 2018). Es wird nach Erkenntnissen gerungen und Denk- und Handlungsmuster werden spielerisch gelockert, um den Horizont zu erweitern. Schon Hegel wusste, „Das Wahre ist das Ganze“. Wird sich dem nicht wenigstens genähert, ist es ein bisschen so, als würde man eine Geschichte ohne Anfang erzählen und direkt mit dem Höhepunkt, der Pointe einsteigen.

Im Februar wird in Château d’Orion ein Gewächshaus als Erweiterung unseres Gartens entstehen, um künftig noch mehr Keime heranziehen und vollwertige Pflanzen verarbeiten zu können. Und wie lauten Ihre Vorsätze für 2018?

29 Jan

Ohne Herkunft keine Zukunft? oder Heute ist morgen bereits gestern

Chateau Orion

Eine Denkwoche über den Umgang mit Geschichte und ihren Wert

Es war kurz nach dem Abitur, als ich in Köln die Aufnahmeprüfung für die Journalistenschule absolvierte. Es wurden eine Menge Fragen zur Allgemeinbildung gestellt. Unter anderem sollten wir entscheiden, wie Geschichte zu betrachten sei – wertend oder neutral. Damals mit 18 und gerade aus der Schule, in der ich Geschichte so gut wie nicht beachtet hatte, war ich völlig überfordert mit dieser Frage. Bisher hatte ich dieses Fach eher ignoriert und mich durch kurzfristiges Auswendiglernen bis zum Abschluss gehangelt.

Wir interessierten uns damals mehr für das aktuelle Geschehen, die endlos weiten Schlaghosen, die beginnende Revolte der Studenten, Woodstock, und «Make love not war». Gut, das hatte auch etwas mit dem Vietnamkrieg zu tun und wir brüllten leidenschaftlich auf Demos gegen die USA. Aber haben wir auch verstanden, was wir da skandierten und warum?

Heute ist das alles längst bereits Geschichte, und wir blicken zurück, mit Wehmut und dem Wunsch zu begreifen. Trotz der täglichen Flut von Informationen bleiben viele Fragen. Es ist nicht zu leugnen, wir leben nach vorne und verstehen nur nach hinten.

Neulich wurde der Film «Hiroshima – wie Truman lernte die Bombe zu lieben», den ich vor 25 Jahren gedreht habe, noch einmal gezeigt. Erstaunlich wie aktuell das heute wirkt, wenn die Geschichte zweier Männer erzählt wird, die für den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima im Jahr 1945 verantwortlich waren: Der amerikanische Präsident und sein Außenminister.

Das Mitglied des Berliner Kollegs Kalter Krieg, der Historiker Prof. Dr. Bernd Greiner (https://www.berlinerkolleg.com/), spannte nach der Vorstellung klug den Bogen von damals bis heute. Er erklärte, unzählige – inzwischen weltweit – aufgestellte Sprengköpfe später, wie wir das aktuelle Geschehen bedenken sollen. Zudem berichtete der Wissenschaftler überraschend von Konzepten zur Konfliktmoderation aus Zeiten des Kalten Krieges, die nie zum Tragen kamen. Wohin sind sie verschwunden?

Offen gesagt, weiß ich nicht mehr, wie ich damals 1971 bei der Prüfung auf die Frage nach der Einschätzung von Geschichte geantwortet habe. Später jedoch habe ich mich vielfach gefragt, warum wir eigentlich nicht aus den Fehlern der Geschichte lernen. Es gibt dazu zahlreiche Antworten, aber sind sie auch befriedigend?

«Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt». Wenn Mahatma Ghandi das wirklich so gesagt hat, kann er nicht irren? Vielleicht reden wir schlicht nicht von einem unauslöschlichen Paradox, sondern von einer normativen Kraft des Faktischen, die von Menschen geschaffen wurde. Was von Menschen gemacht, kann von Menschen geändert werden.

Eine interessante Interpretation des Ghandi-Zitats, habe ich im Netz gefunden. Es ist ein Paul, der schreibt:

«Ihr habt Ghandi falsch verstanden. Was er meint ist: Jede historische Situation ist neu und einzigartig. Man kann aus der Geschichte nicht lernen, weil sie sich eben nicht wiederholt. Zu sagen, Geschichte wiederholt sich, weil Krieg und Frieden aufeinander folgen ist, als wenn man sagt dass alle Tage gleich sind, weil unweigerlich auf die Dunkelheit der Nacht die Helligkeit des Tages folgt. Man kann aus einem historischen Ereignis keine Lehre ableiten, wie man sich in dieser oder jener Situation Verhalten soll, weil jede Situation neu und einzigartig ist und man nur Fehler machen kann wenn man die Lehre aus einer anderen Situation auf die aktuelle anwendet, die zwangsläufig anders liegt.»

Warum also eine Denkwoche zum Thema «Was machen wir mit Geschichte und Geschichte mit uns?» Weil es uns nicht genug ist, rückwärts Geschehnisse zu bestaunen, weil wir Konstellationen entwirren wollen, um zu sehen, wer und was welche Rolle spielt, weil es die Veränderbarkeit von Mustern gibt und Momente der Wachsamkeit. Und vor allem, weil wir nie nur verantwortlich sind für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir lassen.

Deshalb folgen wir Friedemann Scriba, dem Referenten der Denkwoche (10.-16. Juni 2018), wenn er meint: «Wir brauchen Geschichte für die Zukunft – um Risiken rechtzeitig zu sehen und, um noch unerfüllte Hoffnungen wachzuhalten».

von Elke Jeanrond-Premauer

18 Dez

Philosophie als Heimweh

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Dieser Tage machen sich viele Menschen auf den Weg nach Hause, in die Heimat. Eine Reise in eine scheinbar heile Welt, die der Sehnsucht nach Vertrautheit und Heimatgefühl folgt – fast zu schön, um wahr zu sein. Mit Blick auf das bevorstehende Fest erörtert unser Denktage-Referent (09. bis 11. Februar 2018, Gut Sonnenhausen) Ludger Pfeil, wie die Philosophie das Heimweh lindern und dazu verhelfen kann, sich überall zuhause zu fühlen. Es folgen in Kürze philosophische Denkanstösse der Referentin Karin Petrovic und des Referenten Johannes Bucej, die ebenfalls in Gut Sonnenhausen dabei sein werden.

 

Heimatlos und unbehaust

“Manchmal genügt schon ein grauer Novembertag, um sich nicht in der Welt zu Hause zu fühlen. Nässe, Dunkelheit, Kälte erwecken den Eindruck allgemeiner Tristesse und schlagen uns atmosphärisch aufs Gemüt. Da wächst der Wunsch, alle Schotten dicht zu machen und sich aus der Welt zurückzuziehen. Wenn es der Terminkalender erlaubt, kann man in den eigenen vier Wänden bleiben, und es sich heimelig machen. Eine Kanne Wohlfühltee, die kuschelige Decke und die Lieblingsserie im Fernsehen versprechen mollige innere und äußere Wärme und angenehme Ablenkung. “Cocooning” heißt der Zeitgeistbegriff dazu. Wir spinnen uns in einen Kokon, eine Schutzhülle ein, die uns vom ungemütlichen Draußen abschotten soll. Diese Methode des Einigelns kann kurzzeitig Linderung verschaffen, wenn einem mal wieder alles zu viel wird.

Allerdings wächst gerade in der Adventszeit – tatkräftig unterstützt durch allgegenwärtige gefühlige Werbung – die Neigung, diese Notfall-Strategie zur allgemeinen Leitlinie zu erheben. Die seelenwärmenden Bilder der Kerzenbäume und der dazu passenden staunenden Kinderaugen, untermalt mit glöckchenklingenden Weihnachtsliedern, sollen uns glauben machen, dass solch ein Paradies mit den nötigen Accessoires leicht zu beschaffen sei. Gleichzeitig entsteht die Vorstellung, diese heile Welt bewahren zu können, in dem wir sie und uns gegen dabei störende Einflüsse von außen abgrenzen und verteidigen.

Heimelig und heimisch sind jedoch zwei verschiedene Paar Hüttenschuhe. Die friedliche weihnachtliche Stimmung erweist sich leicht als unwirkliche Simulation. Nie sind Familien so streitgefährdet wie über die Weihnachtsfeiertage, denn schon zu zweit haben lange nur mühsam unterdrückte Konflikte nun endlich Zeit, sich zu entfalten. Besucher importieren alte offene Rechnungen mitten in die perfekt inszenierte Wohlfühloase hinein. Und auch wer alleine bleibt, wird mit dem Frösteln seiner Einsamkeit konfrontiert, das die aufgebaute Kulisse noch unpassender erscheinen lässt.

Das Unbehagen, im Kreise des Gewohnten nicht vollkommen daheim zu sein, beschleicht viele bereits in ihrer Jugend, denn der vertraute Zungenschlag, die bekannte Landschaft, alte Freunde und eine mehr oder weniger stabile Familienstruktur garantieren nicht, dass man sich heimisch fühlt. Zu disparat sind die eigenen erwachenden Bedürfnisse und die daraus erwachsenden Lebensentwürfe, in denen jeder ein für sich funktionierendes Arrangement sucht, um mit sich und der Welt zurecht zu kommen. Andere erwischt es in der Midlife Crisis oder nach schweren Schicksalsschlägen. Manche sind sich im Berufsleben über die Jahre selbst fremd geworden. Und einige entdecken erst im Ruhestand, dass sie gar nicht mehr so richtig in der Welt zu Hause sind.

Angemessener als Lichterglanz und Geschenkepyramiden scheint daher die Herbergssuche das geeignete Bild für unsere Grundbefindlichkeit in der modernen Welt. Heimatlos und unbehaust sind nicht nur Flüchtlinge und Obdachlose. Auch vermeintlich besser Situierten erscheint die Welt oft abstoßend oder zumindest kalt und gleichgültig. Dieses tiefere Gefühl der Heimatlosigkeit löst sich ganz und gar nicht auf, wenn man die schöngefärbte Scheinwelt mit Zimtsternduft einbalsamieren und gegen alles Äußere verschließen will – im Gegenteil, der Unmut wächst, weil sich unvorhergesehene Einflüsse und an den Grundfesten rüttelnde Veränderungen nicht wirklich aufhalten lassen. Mit dem dämmernden Bewusstsein dieser Lage verschwindet jedoch keineswegs der drängende Wunsch, sich heimisch fühlen zu wollen, sich auszukennen, mit allem vertraut zu sein, die Fremdheit aufzuheben.

Friedrich von Hardenberg, der als naturwissenschaftlich ausgebildeter Salinenverwalter wohl auch über die prosaische Karriere und das Familienleben hinausreichende Sehnsüchte in sich trug und sich als Poet Novalis nannte, entdeckte: “Philosophie ist eigentlich Heimweh – Trieb, überall zu Hause zu sein.” Und wäre das nicht in der Tat eine nahezu genial anmutende Lösung, könnte man sich überall zu Hause fühlen, sich das Fremde ein Stück zu eigen machen, oder es wenigstens nutzen, um das Eigene besser zu erkennen und damit mehr bei sich zu sein? Die Sentenz mag zunächst wie überschwängliche romantische Träumerei klingen, doch das Problem ist gerade für die ganz unromantische Sachlichkeit der Gegenwart greifbar. Auch die aktuellste Soziologie benennt mit Hartmut Rosa die Resonanz als ein für viele zunehmend schwieriger erfüllbares Grundbedürfnis, die Welt für uns zum Sprechen, Klingen, Singen zu bringen.

Warum also nicht Novalis folgen und es mit Hilfe der Philosophie – dem Nachdenken über die Welt – versuchen, dem unstillbaren Heimweh nachzugehen? Der Weg, auf dem wir nach Hause kommen und uns heimisch fühlen können, begänne dann mit der gedanklichen Öffnung für das Andere, führte über das allmähliche Kennenlernen dazu, auch mit anfänglich Fremdem und Verstörendem in Beziehung und Austausch zu treten. Schließlich gälte es zu spüren, was es in uns anspricht und zu erforschen, wo und warum wir anders denken. Auf diese Weise könnten wir uns Unvertrautes vertraut machen und es uns womöglich ein Stück weit anverwandeln. Philosophie ist seit jeher der Versuch, zu verstehen, sich mit der Welt und dem Leben im Denken bekannt zu machen, in der Selbstreflexion und im Austausch und in der Auseinandersetzung mit anderen. Sie kann uns helfen, Veränderungen nicht zu leugnen, sondern bewusst wahrzunehmen und uns einen Reim darauf zu machen – in Begegnungen mit Gedanken, die eine Beziehung zur Welt und zu anderen schaffen. So kann durch philosophisches Denken die Freiheit wachsen, mehr und mehr unverdrängt ansehen und bedenken zu können, ohne sich fremd zu fühlen.

Heimweh und der Trieb, überall zu Hause zu sein, beinhalten keine Erfolgsgarantie. Eine Sehnsucht kann unstillbar sein und ein Trieb unbefriedigt bleiben. Aber einen Versuch ist es wert. Ein philosophisches Buch zur Hand zu nehmen, könnte ein Anfang sein. Und das kann man schließlich auch an einem unfreundlichen Tag auf der Couch.”

 

Zur Person

Ludger Pfeil, geb.1960, studierte Philosophie mit den Abschlüssen Magister artium und Promotion in Bochum und erfüllte diverse Lehraufträge an Universitäten. Keineswegs ein Philosoph im Elfenbeinturm kennt er die Arbeitswelt eines global agierenden Großunternehmens aus Mitarbeiter-, Führungs- und Beraterperspektive ebenso wie die Lebenswelt eines aktiv eingebundenen Familienvaters aus langer und reichhaltiger Erfahrung. Er lebt in Unterhaching bei München und arbeitet seit 1996 als Philosophischer Praktiker mit Seminaren, Cafés, Workshops und Vorträgen sowie Einzelberatungen. Ludger Pfeil hat zur analytischen Ethik, zur Führungsethik und zur Philosophie im Alltag veröffentlicht. 2015 ist bei Rowohlt sein Buch „Du lebst, was Du denkst“ erschienen.

Näheres unter: www.philosophie-im-leben.de

04 Dez

Pilger der Postmoderne

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Noch immer ist die Natur _MG_6648des Béarn und des benachbarten Baskenlandes üppig und menschenfreundlich, noch immer leuchten die Bäume im Tal vor uns in prächtigen Rot- und Orangetönen. Während man sich in Deutschland längst in den Wintermantel gehüllt und vielleicht sogar schon über den ersten Schnee gefreut hat, sonnen wir uns dieser Tage noch bei 20°C in den Liegestühlen mit Blick auf die weißen Pyrenäengipfel – ab und zu einen verdächtigen Wind um die Nase, der wie so oft hier den bevorstehenden Wetterwechsel ankündigt. Einen Wechsel hin zu einer stilleren, langsameren Zeit, in der wir alle Jahre wieder dazu angehalten werden – ob durch religiöse Feste oder die kürzer werdenden Tage – selbst einen Gang runterzuschalten und zu entschleunigen.

Im Hinblick auf die Zunahme des Lebenstempos ist eine derartige Erinnerung ans Innehalten und Durchatmen bisweilen wichtig, um den eigenen Standpunkt neu zu justieren und die Ressourcenspeicher wieder aufzufüllen. Laut dem Soziologen Hartmut Rosa bewirkt die Beschleunigung nämlich einerseits, dass Prozesse aufgrund verbesserter Technik schneller ablaufen und dadurch Zeit gewonnen wird, andererseits ermöglicht dies eine Verdichtung von Handlungen, wodurch die ‚übrige’ Zeit wieder ausgefüllt wird.

_MG_6853_kleinWomit aber füllen wir die Zeit und mit welchem Ziel? In einem Essay über den Wandel von Identität und Lebensformen beschreibt der Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman das Leben in der Moderne als eine Pilgerreise – eine langwierige Suche nach einer spezifischen Identität unter vielen anderen möglichen Identitäten und Lebensweisen. In der durch raschen Wandel gekennzeichneten Postmoderne kann diese Lebensform nicht bestehen – „The world is not hospitable to the pilgrims any more“. Die postmoderne Herausforderung bestehe darin, sich von einer stabilen Identität zu lösen und beruflich wie privat flexibel zu bleiben, meint Bauman. Eine prototypische Lebensstrategie der Postmoderne stelle der Tourist dar, der immer unterwegs ist – getrieben von ästhetischen Kriterien und mit der Absicht, Erlebnisse zu sammeln. Nicht das Neue, Fremde beängstige ihn, sondern Beständigkeit und dennoch sei das Wissen um ein Zuhause als Zufluchtsort unerlässlich.

Viele von uns verbringen die Tage „zwischen den Jahren“ in der Heimat oder mit Menschen, bei denen sie sich zuhause fühlen, bei denen sie „sie selbst sein“ können. Möglicherweise muss dieses Zuhause aber gar kein Ort oder eine soziale Gemeinschaft sein. Vielleicht ist es eher als unsere ganz eigene Persönlichkeit, unsere Leidenschaft unser Standpunkt zu verstehen, zu dem es sich lohnt zurückzukehren, bevor wir in ein neues Jahr, neue Herausforderungen, neue Projekte, neue Reisen aufbrechen.

Tourismus ist ein Phänomen, _MG_6911_kleindas ähnlich der Kunst oder der Religion auf gesellschaftliche Sehnsüchte verweist. So vielfältig die Gesellschaft ist, so vielfältig sind auch die Reisemotive. Häufig geht es nicht mehr nur um die Alltagsflucht oder das Abhaken von Sehenswürdigkeiten auf einer Liste, sondern um eine erfüllte Zeit. Der Inbegriff dieser Entwicklung ist wohl der sogenannte „Slow Tourism“, der die Sinnfindung, Intensivierung und Entschleunigung von Erlebnissen zum Ziel hat.

Die einst als Unfähigkeit wahrgenommene Langsamkeit hat einen Bedeutungswandel erfahren und gilt heute vielmehr als Metapher für Selbstbestimmung und Infragestellung von kapitalistischen Versprechen. Mit einer solchen Befreiung von beschleunigten Lebensformen zugunsten einer alternativen Zeitlichkeit und mit Idealen wie Nachhaltigkeit oder Genuss werden wir erneut zu Pilgern.

Château d’Orion ist ein Ort für die Pilger der Postmoderne, die sich zeitweise auf die Suche nach Ruhe, Tiefgang oder Zeitgenuss fernab ihres beschleunigten, flüchtigen Alltags begeben. Ob im Liegestuhl vor dem Haus, im Rahmen einer Denkwoche oder auf dem Jakobsweg, der von Orion durch Wiesen und Wälder nach Spanien führt. Solche Erlebnisse zu ermöglichen ist unsere Leidenschaft und so gewinnen auch wir daraus Antrieb für künftiges Handeln. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein entschleunigtes, kraftspendendes Jahresende!

 

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Die Fotos in diesem Beitrag stammen von Teresa Pistorius, einer jungen Fotografin aus Hamburg, die kürzlich für ein Projekt über die Beziehung zwischen Mensch und Natur die Vegetation um Orion vor die Linse genommen hat.

09 Okt

Ein Hoch auf die deutsch-französische Freundschaft!

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Am vergangenen Mittwoch wurde Elke Jeanrond-Premauer der Preis der deutsch-französischen Freundschaft in Bordeaux verliehen. Mit ermutigendem Beistand von unserer Denkwochengruppe um Jocelyn B. Smith wurde sie für das Wirken in Château d’Orion und ihre Verdienste um die friedliche Begegnung und nachhaltige Verbindung beider Länder im Rahmen zahlreicher Projekte vom Generalkonsul Dr. Nikolaus Meyer-Landrut und dem amtierenden Bürgermeister von Bordeaux Alain Juppé ausgezeichnet. Die Dankbarkeit und Freude über diese Würdigung mögen dazu veranlassen, zufrieden auf Geschehenes und Erreichtes zurückzublicken – vielmehr noch sind sie aber Ermutigung und Ansporn, auch künftig Wege zu suchen, um Menschen zu berühren und herkömmliches Denken und Handeln in Bewegung zu versetzen. In diesem Sinne “Let’s make something happen to this world”!

 

Dankesrede von Elke Jeanrond-Premauer zur Verleihung des deutsch-französischen Freundschaftspreises am 04.10.2017 in Bordeaux:

“Man braucht ja nur die Flamme in den Augen der Jugendlichen zu beobachten und ihre Leidenschaftlichkeit”… so beginnt die Rede von General De Gaulle, die er 1962 in Ludwigsburg gehalten hat.

Seither ist viel geschehen, die deutsch-französische Freundschaft ist gewachsen, hat sich entwickelt. Städtepartnerschaften, ein Fernsehsender, ein Jugendwerk, das seinesgleichen sucht. Und vieles mehr. Damals wohnte ich in der Grenzstadt Pirmasens nahe dem Elsass, noch gezeichnet vom Krieg. Und ich gehörte zu diesen jungen Leuten, die voller Hoffnung in die Zukunft blickten, um Versöhnung zu leben, nach den unaussprechlich harten Zeiten der verordneten Feindschaft.

Selbstredend bin ich dankbar für die Anerkennung, die mir die heutige Auszeichnung zollt. Ich verhehle aber nicht, dass die, die sie erhalten und die, die uns überreichen, nicht vergessen dürfen, dass sich keiner- ob gewählt, bestellt oder zivil-gesellschaftlich engagiert auf den jeweiligen Lorbeeren ausruhen darf. Gleich auf welchem Posten/an welcher Stelle, wir gelandet sind. Ich folge gerne dem Philosophen Jaques Derrida in diesem Fall, der sagt: Wenn wir nur das tun, was wir können, dann tun wir gar nichts!

Wenn ich heute den deutsch-französischen Freundschaftspreis entgegennehme, dann heißt das für mich Ansporn, nicht nachzulassen jedem Wort eine Tat folgen zu lassen und so manches Mal an Grenzen zu gehen. Nicht umsonst ist der Leitgedanke von Château d’Orion, dem Haus der Begegnung, für das ich stellvertretend hier stehe: «Qui pense doit agir», gemäß Heinrich Mann. Wir wissen alle sehr genau, allein sind wir nichts, wir brauchen die Kraft der geteilten Intelligenz, wir brauchen Resonanz und Anerkennung für unser Tun. Deshalb habe ich Ihnen ein Schloss voller Freunde mitgebracht, die mich nicht nur begleiten, sondern auch ermutigen nicht nachzulassen. Sie alle erheben in diese Woche ihre Stimme, angeführt von einer ganz großen Sängerin – Jocelyn B. Smith.

Und, wenn wir uns fragen, wie es denn heute um die Flammen in den Augen der Jugend steht, dann mögen wir dies auch immer rückbezüglich tun. Was ist meine Aufgabe, mein Projekt und sei es noch so klein, um der Verpflichtung gerecht zu werden: Die Verteidigung der Freiheit für alle und den respektvollen Umgang miteinander zu pflegen.

Die deutsch-französische Freundschaft ist längt nicht mehr allein-gültig, ein Europa hat sich zusammengeschlossen, das es ebenfalls zu verteidigen gilt.

Erinnern wir uns noch einmal an 1962: Die Rede General De Gaulles ist legendär, vielleicht ist sie pathetisch. Mag sein, aber sie markiert einen Meilenstein in unserer Geschichte und darf ein europäisches Wunder genannt werden. Ich wünschte mir heutzutage ein wenig mehr Leidenschaft, weniger Geländerdenken. Vielleicht sogar mehr Mut zur Naivität und wieder mehr Geschichten statt Klagelaute.

Wir wissen wohl, Tradition ist nicht das Anbeten der Asche, sondern das Schüren des Feuers!

Und ich möchte enden wiederum mit den Worten von Charles de Gaulle:

“Il n’y a pas d’amitié entre deux pays, seulement des intérêts. La formation de l’amitié est le devoir de chacun.

„Zwischen Staaten gibt es keine Freundschaft, sondern nur Interessen.“ Das Entstehen lassen der Freundschaft ist Aufgabe jeden Einzelnen von uns.

Lassen Sie uns also gemeinsam gestalten und Entstehen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

02 Aug

Auf die Freundschaft!

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Eine Reflexion zur Denkwoche vom 16. bis 22. Juli 2017 von Julia Tauß, der die Teilnahme mit einem Stipendium des Freundeskreises Château d’Orion e.V. ermöglicht wurde

 

Das Château d’Orion liegt in warmes Son-Außenbereich
nenlicht getaucht, als wir am Abend vor der Denkwoche „Die Kostbarkeit der Freundschaft – eine philosophische Gedankenreise“ ankommen. Auf einem runden Tisch vor dem Haus ist ein Aperitif angerichtet, zu dem alle Mitwirkenden der Denkwoche zusammenkommen. Die Weite der Natur gibt den Blick frei auf die Pyrenäen, auf Täler satten Grüns und ein paar weidende Kühe. Wir sind hier in einer Gegend angekommen, die rundum besonders ist. Unermüdlich machen uns Elke und Tobi mit den Geschichten des Châteaus und der Umgebung vertraut, sorgen sich um unser Wohlergehen und beseelen diesen wunderbaren Ort „mit Kopf und Hand, Herz und Verstand“.

Fernab der alltäglichen Herausforderungen ermöglichen die beiden hier Begegnungen und tiefgreifenden Austausch. Mit der Denk- woche haben sie ein Format geschaffen, das über Generationen und Disziplinen hinweg Menschen zusammenbringt. Die Vielfalt an Perspektiven lädt dazu ein, die eigenen Denk- horizonte immer wieder auszuloten, sich aus- zuprobieren und neuen Ideen Raum zu ver- schaffen. So steht in diesen Tagen vielmehr die Auseinandersetzung mit Fragen, als deren Beantwortung im Vordergrund.

Die Woche ist rasch vergangen und so höre ich die nächsten Gäste murmeln: „Es ist noch schöner als auf den Bildern“, als sie es sich ihrerseits mit einem Aperitif gemütlich machen. So geht die Zeit der Besinnung und Erkenntnis für die nächsten Gäste und Teilnehmenden der Denkwochen weiter. Es war ein Fest hier sein zu dürfen – habt vielen Dank!

Auf bald. Und allem voran: auf die Freundschaft!

Julia Tauß

14 Jul

Aufklärung mit Humor?!

Diskurs Humor 2

Eine Reflexion von Sophie Giulini zu der Denkwoche vom 2. bis 8. Juli 2017

 

Optimismus ist ein Mangel an Information.

(Alfred Dorfer)

 

Welche Rolle spielt Humor in unserem Leben? Können wir mit Humor Gesellschaft gestalten?

Diese Fragen stellten sich mir im Rahmen der Denkwoche zu dem Thema „Der Ernst des Lächerlichen | Zur Theorie des Komischen“. Über die Verknüpfung philosophischer Überlegungen des Referenten Prof. Rudolf Lüthe mit praxisnahen Reflexionen des österreichischen Star-Kabarettisten Alfred Dorfer begaben wir uns auf einen gemeinsamen Weg des Findens nach Antworten.

Erster Schritt: Humor als eine Fortsetzung der Aufklärung? Der theoretischen Definition von Humor näherten wir uns auf drei Bedeutungsebenen: Allgemein können wir Humor als den Sinn eines Menschen für Komik verstehen. Eng gefasst spezifizierte Philosoph Lüthe Humor als eine Heiterkeit und die damit einhergehende Gelassenheit gegenüber dem eigenen Scheitern. Eine solche gelassene Haltung bedinge ein aufklärerisches Moment des Selbstverstehens und die Akzeptanz der Gleichwertigkeit von Meinungen. Auf letzter Ebene finden wir Humor als den Kosmischen Sinn für das Komische und die damit verbundene Relativierung der Bedeutung des eigenen Selbst. Dieser Idee folgend wird Komik zu einem Mittel der Befreiung von unseren alltäglichen Handels- und Gedankenschranken und die Belebung unserer Sinne.

Zweiter Schritt: Die Satire als humoristischer Zugang zur Wirklichkeit? Der Aufklärungsgedanke spiegelt sich in einer spezifischen Form der Komik – in der Satire. Alfred Dorfer folgend liegt ihre Qualität im Erkennen der Wirklichkeit über eine kritische Beleuchtung der Wirklichkeit. Als Zugangsform zu Inhalten bedient sie sich Werkzeugen wie Zynismus, Ironie und Sarkasmus. Ihre Aufgabe sei das Aufzeigen von politischen Missständen. Beispiele wie der Attentat auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo bringen die Frage auf – hat Satire Grenzen? Wie weit darf Komik im Namen der Aufklärung gehen?

Dritter Schritt: Hat Satire moralische Grenzen? Die Idee Aristoteles, Komik ende bei physischer Verletzung, können wir ausweiten auf die psychische Verletzung meines Gegenübers. Und schon befinden wir uns in einem Spannungsfeld zwischen gegenseitigem Respekt und Meinungsfreiheit. Freiheit ohne Verantwortung ist nicht denkbar. Dies gelte auch für die Freiheit als Künstler, ist Alfred Dorfer überzeugt: Die satirische Verarbeitung von Wirklichkeit bringe die Verantwortung mit sich, sich selbst mit einzubeziehen und eine klare Haltung einzunehmen. Pure Pauschalisierungen wiederum seien lediglich Spott – im Sinne von Spucken – und den Titel der Satire nicht würdig. Diese Aussage wird umso bedeutsamer vor dem Hintergrund ständiger Realsatire, beispielsweise durch Donald Trump. Die Kunst scheint also in einem feinsinnigen Aufzeigen von Schwachstellen von Seiten des Künstlers einerseits und in dem scharfsinnigen Hinhören von Seiten des Publikums, zu liegen. Bringen also restriktive Systeme die besten Satiriker und geschulteren Zuhörer hervor? Diese zynischen Fragen stellte Dorfer in den Raum und bringen zum Nachdenken.

Vierter Schritt: Humor als Instrument zur Gestaltung von Leben und Gesellschaft?  Abschließend bleibt die Frage, was sich aus unseren theoretischen Überlegungen für unser aktives Dasein in der Welt ableiten lässt. Auf gesellschaftlicher Ebene kann Humor als eine Form der Aufklärung gegenüber Missständen dienen. Ob als Beruhigungsmittel zur Stabilisierung politischer Systeme oder motivierende Anregung zur Aktion – diese Frage bleibt offen.

Auf Ebene des Individuums wurde ich durch die Denkwoche an das Geschenk, welches uns der Humor macht, erinnert: Wir können ihn Nutzen als Verfahren zur Selbstdistanzierung, -Relativierung und skeptischen Hinterfragung von Gesetztem – als ein heiteres Mittel für die Gestaltung eines glücklichen Lebens. Und vielleicht ermöglicht er uns sogar, informiert optimistisch zu bleiben.