07 Jun

Eine kleine Landeskunde I: Der Course Landaise in Orthez

Für regionale Verhältnisse ist Orthez groß zu nennen. Die Stadt hat einen eigenen Bahnhof und ist dadurch an Bordeaux angebunden. In ihrer Arena kann der Course Landaise bewundert werden.

Es handelt sich dabei um eine Form des ‘unblutigen’ Stierkampfes, welche bereits von Mittelmeervölkern des Altertums praktiziert worden ist. Im Gegensatz zu den teilnehmenden Menschen besteht für den Stier keine ernsthafte Verletzungsgefahr. Er wird von den Gehilfen des unbewaffneten ‚Stierkämpfers‘ mit einem langen Stock getriezt, rennt sodann auf seinen Gegner zu, der inmitten der Arena stehend wartet.

Die Équipe d’Orion hat einen Stierkampf in Orthez besucht und für spannend befunden. In der letzten Runde kam ein beeindruckendes Tier in den Ring, das seinem menschlichen Gegner mehr als ebenbürtig war. Zum Repertoire des kampferprobten Stieres gehörte das Antäuschen eines Ansturmes, also klassische psychologische Kriegsführung.

Zwei Mal ließ sich der menschliche Widersacher in den Sand fallen, um Schlimmstes zu verhindern, und das Tier ließ Gnade walten. Es trampelte ‚nur‘ über den Unterlegenen hinweg. Einmal erwischte der Stier den Menschen, der mit einer blutigen Schramme davonkam. So viel zum Thema ‘unblutiger’ Stierkampf.

Es gibt zwei Gattungen von ‚Stierkämpfern‘. Ein Escapeur versucht, seinem Angreifer im letzten Moment mittels geübter Hüftdrehung zu entweichen. Der Reiz besteht darin, sein Manöver möglichst knapp erscheinen zu lassen.

Ein Sauteur springt aus dem Stand oder mit Anlauf über die anstürmende Lebensgefahr hinweg. Diese Form des Ausweichens ist besonders spektakulär.

Wie alt diese Praxis ist, zeigt eine Wandmalerei, die im Palast von Knossos (Kreta) gefunden worden ist. Die Darstellung des Sauteurs gehört zu den beliebtesten Bildmotiven der sogenannten ‘minoischen’ Kultur, als deren Zentrum der Palast von Knossos angenommen wird.

Wer mehr über die antike Version dieses Stierkampfes lesen möchte, findet hier einen reich bebilderten Text (PDF auf Englisch).

Von Clemens Zentek