09 Okt

Ein Hoch auf die deutsch-französische Freundschaft!

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Am vergangenen Mittwoch wurde Elke Jeanrond-Premauer der Preis der deutsch-französischen Freundschaft in Bordeaux verliehen. Mit ermutigendem Beistand von unserer Denkwochengruppe um Jocelyn B. Smith wurde sie für das Wirken in Château d’Orion und ihre Verdienste um die friedliche Begegnung und nachhaltige Verbindung beider Länder im Rahmen zahlreicher Projekte vom Generalkonsul Dr. Nikolaus Meyer-Landrut und dem amtierenden Bürgermeister von Bordeaux Alain Juppé ausgezeichnet. Die Dankbarkeit und Freude über diese Würdigung mögen dazu veranlassen, zufrieden auf Geschehenes und Erreichtes zurückzublicken – vielmehr noch sind sie aber Ermutigung und Ansporn, auch künftig Wege zu suchen, um Menschen zu berühren und herkömmliches Denken und Handeln in Bewegung zu versetzen. In diesem Sinne “Let’s make something happen to this world”!

 

Dankesrede von Elke Jeanrond-Premauer zur Verleihung des deutsch-französischen Freundschaftspreises am 04.10.2017 in Bordeaux:

“Man braucht ja nur die Flamme in den Augen der Jugendlichen zu beobachten und ihre Leidenschaftlichkeit”… so beginnt die Rede von General De Gaulle, die er 1962 in Ludwigsburg gehalten hat.

Seither ist viel geschehen, die deutsch-französische Freundschaft ist gewachsen, hat sich entwickelt. Städtepartnerschaften, ein Fernsehsender, ein Jugendwerk, das seinesgleichen sucht. Und vieles mehr. Damals wohnte ich in der Grenzstadt Pirmasens nahe dem Elsass, noch gezeichnet vom Krieg. Und ich gehörte zu diesen jungen Leuten, die voller Hoffnung in die Zukunft blickten, um Versöhnung zu leben, nach den unaussprechlich harten Zeiten der verordneten Feindschaft.

Selbstredend bin ich dankbar für die Anerkennung, die mir die heutige Auszeichnung zollt. Ich verhehle aber nicht, dass die, die sie erhalten und die, die uns überreichen, nicht vergessen dürfen, dass sich keiner- ob gewählt, bestellt oder zivil-gesellschaftlich engagiert auf den jeweiligen Lorbeeren ausruhen darf. Gleich auf welchem Posten/an welcher Stelle, wir gelandet sind. Ich folge gerne dem Philosophen Jaques Derrida in diesem Fall, der sagt: Wenn wir nur das tun, was wir können, dann tun wir gar nichts!

Wenn ich heute den deutsch-französischen Freundschaftspreis entgegennehme, dann heißt das für mich Ansporn, nicht nachzulassen jedem Wort eine Tat folgen zu lassen und so manches Mal an Grenzen zu gehen. Nicht umsonst ist der Leitgedanke von Château d’Orion, dem Haus der Begegnung, für das ich stellvertretend hier stehe: «Qui pense doit agir», gemäß Heinrich Mann. Wir wissen alle sehr genau, allein sind wir nichts, wir brauchen die Kraft der geteilten Intelligenz, wir brauchen Resonanz und Anerkennung für unser Tun. Deshalb habe ich Ihnen ein Schloss voller Freunde mitgebracht, die mich nicht nur begleiten, sondern auch ermutigen nicht nachzulassen. Sie alle erheben in diese Woche ihre Stimme, angeführt von einer ganz großen Sängerin – Jocelyn B. Smith.

Und, wenn wir uns fragen, wie es denn heute um die Flammen in den Augen der Jugend steht, dann mögen wir dies auch immer rückbezüglich tun. Was ist meine Aufgabe, mein Projekt und sei es noch so klein, um der Verpflichtung gerecht zu werden: Die Verteidigung der Freiheit für alle und den respektvollen Umgang miteinander zu pflegen.

Die deutsch-französische Freundschaft ist längt nicht mehr allein-gültig, ein Europa hat sich zusammengeschlossen, das es ebenfalls zu verteidigen gilt.

Erinnern wir uns noch einmal an 1962: Die Rede General De Gaulles ist legendär, vielleicht ist sie pathetisch. Mag sein, aber sie markiert einen Meilenstein in unserer Geschichte und darf ein europäisches Wunder genannt werden. Ich wünschte mir heutzutage ein wenig mehr Leidenschaft, weniger Geländerdenken. Vielleicht sogar mehr Mut zur Naivität und wieder mehr Geschichten statt Klagelaute.

Wir wissen wohl, Tradition ist nicht das Anbeten der Asche, sondern das Schüren des Feuers!

Und ich möchte enden wiederum mit den Worten von Charles de Gaulle:

“Il n’y a pas d’amitié entre deux pays, seulement des intérêts. La formation de l’amitié est le devoir de chacun.

„Zwischen Staaten gibt es keine Freundschaft, sondern nur Interessen.“ Das Entstehen lassen der Freundschaft ist Aufgabe jeden Einzelnen von uns.

Lassen Sie uns also gemeinsam gestalten und Entstehen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.