12 Apr

“Die Mythe log…” (Gottfried Benn)

Homer-3

Unser Denkwochenreferent Hans-Joachim Mattke führt weiter durch ‘Ulysses’ und ‘Odyssee’

 

Im Jahre 1944 sehen die beiden bedeutenden Vertreter der Frankfurter Schule, Theodor Adorno und Max Horkheimer in Odysseus das Modell des modernen ‚homo oeconomicus’. Sie schreiben im Exil in Los Angeles die Dialektik der Aufklärung und beschreiben darin das Aufklärerische des Odysseus. Sie zeigen auf, wie diese Figur zwischen Mythos und Denken, zwischen transzendenter Bindung an die Götter einerseits und intentionaler, zielorientierter Rationalität andererseits steht. Er ist für Adorno und Horkheimer der Typus des neuen westlichen abendländischen Menschen, anders als wir anfangs den Europäer charakterisiert haben: „Der zitternde Schiffbrüchige nimmt die Arbeit des Kompasses vorweg. Seine Ohnmacht, der kein Ort des Meeres unbekannt mehr bleibt, zielt zugleich auf die Entmächtigung der Mächte“, alter mythischer Mächte – zum Zwecke seiner Selbsterhaltung, der Rückkehr zu Heimat und festem Besitz. „Die Abenteuer, die Odysseus besteht, sind allesamt gefahrvolle Lockungen, die das Selbst aus der Bahn seiner Logik herausziehen. Odysseus wirft sich weg gleichsam, um sich zu gewinnen“, bringt sich in Gefahr um dieselbe zu besiegen. Und sein Kampf gegen die alten mythischen naturhaften Gewalten mutet für Horkheimer an als übervorteile der Seefahrer Odysseus die „Naturgottheiten wie einmal der zivilisierte Reisende die Wilden, denen er bunte Glasperlen für Elfenbein bietet. Das Homerische Gastgeschenk hält die Mitte zwischen Tausch und Opfer. Manchmal sind das Tauschgeschäfte, die Opfer für die Götter, um Beistand zu erwirken, oder zumindest von ihnen unbehelligt zu bleiben (…).“ Und in der Tat: Es gibt sogar Neid unter den Göttern, wer die meisten Opfer von den Menschen erhält und sie strafen die Menschen dafür, wenn die Dividende nicht ausreicht.

Ist der erwähnte Tausch die Säkularisierung dessen, was man früher als Opfer verrichtete, so erscheint es(…) nun wie eine Veranstaltung der Menschen, die Götter geradezu zu beherrschen, sie zu stürzen und zu verweltlichen.“ Anders ausgedrückt: der Mensch befreit sich von den Göttern mittels des Gottesdienstes als säkularisierter Ehrung und Entfernung. Im späten Mittelalter wurde dieser Tauschhandel mit der Beichte und dem Ablasshandel in geradezu absurder Weise betrieben.

Wir sehen: Durch Denken wird bildhafter Mythos zerstört, Offenbarungswahrheiten werden Vernunftswahrheiten, so hat es Lessing genannt, Natur wird denaturiert, unverrückbare absolute Wahrheiten werden zergliedert und „zerdacht“, um einen Ausdruck von Gottfried Benn aus seinem Gedicht „Verlorenes Ich“ zu verwenden:

„Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten

und was die Menschheit wob und wog,

Funktion nur von Unendlichkeiten −,

die Mythe log“

Natürlich hört man hier das große Vorbild Friedrich Nietzsche im Jahre 1882 heraus. In der „Fröhlichen Wissenschaft“, im Aphorismus 125: „Gott ist tot“. (…) und wir haben ihn getötet! (…) Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts, haucht uns nicht der leere Raum an? (…)“

Dass die Leere, das Nichts etwa 70 Jahre später im Existentialismus philosophische Voraussetzung für Freiheit und verantwortliche Selbstbestimmung würde, konnte Nietzsche noch nicht ahnen.

Der Weg vom Mythos zum Logos erzählt die Geschichte vieler Götterdämmerungen. Solange Götter sind, so lange es sie als höhere Macht im menschlichen Bewusstsein real und gültig gibt, solange ist die menschliche Freiheit begrenzt, solange wird das Denken und Handeln des Menschen cum grano salis fremdbestimmt. Das Höhere führt ihn. Das gilt für Mythos wie für Religion. Homers Odysseus ist graduell geführt, ihm wird die Zukunft vorhergesagt: er wird sein Zuhause finden! Das ist sicher – aber er muss das Vorherbestimmte durch seine Leistung erringen. Eigentlich ein sehr moderner Gedanke.

Diese Paradoxie unterscheidet ihn grundlegend von allen anderen Odysseus-Figuren der Weltliteratur.

Leopold Bloom, der Ulysses des James Joyce nimmt sich in diesem Kontext einfach aus. Er irrt im unterbewussten stream of consciousness ebenso herum wie im großstädtischen Milieu und Häusermeer von Dublin. Wir werden auf ihn noch ausführlicher zu sprechen kommen.

Zurück zu Homer: die Ausgesetztheit und das einsame auf sich selbst Gestelltsein, wie wir sie bei Odysseus sehen, sind frühe Symptome aufklärerischer Selbstbestimmung. Sie wird erkauft durch Verlust der Transzendenz.

Jean Paul Sartre macht 1946 vielleicht den konsequentesten Schritt, indem er sagt: Der Mensch ist nicht das, was er ist, und er ist das, was er nicht ist. Überspitzt gesagt ist der existentialistische Mensch seine Transzendenz. Er muss sich sein. So gesehen fallen hier Fremdbestimmung und Selbstbestimmung, Transzendenz und Immanenz in eins und der Mensch hat keine andere Wahl als frei zu sein. So formuliert in seinem Aufsatz. Ist der Existentialismus ein Humanismus? Das könnte für eine Beschreibung der Seinsweise des Joyce’schen Ulysses helfen.

IMG_2878Die Odyssee bildet den Anfang und das Modell für viele literarische Irrfahrten, die ihrerseits weltliterarischen Rang einnehmen: im ähnlichen Homerischen Geiste Vergils Aeneis, christlich geprägt aber die Antike mit aufnehmend Dantes Divina Comedia, ( in deren Hölle der Homerische Odysseus mit anderen frevelhaften Ratgebern schmort), Wolframs Parzival, als Irrfahrt zum esoterischen Gral, Cervantes Don Quijote, der Belesene, der sich in seinem Landritt mit der Meerfahrt des Odysseus vergleicht. Den großen Dulder nimmt er als Vorbild. Goethes Wilhelm Meister auf der Irrfahrt und Suche nach den Bildungsinhalten seiner Zeit. Bis hin zu James Joyce, der in seinem Leopold Bloom und seiner Molly Odysseus und Penelope aufruft und in jedem Kapitel höchst präzise Referenzen zu den jeweiligen Gesängen der Homerischen Odyssee herstellt und am Ende des gänzlich unbedeutenden und höchst alltäglichen Tages zu seiner Frau Molly nach Hause kommt. Übrigens: in vielen dieser Initiationsdarstellungen ist das weibliche Bild der höheren Bewusstseinsstufe: Odysseus sucht Penelope und das Zuhause, Dante sucht Beatrice und il Paradiso, Parzival sucht den Gral und Repanse de Schoye, Don Quijote sucht Dulcinea und das Rittertum, Faust „das ewig Weibliche“ etc. etc. und Bloom wird sich am Ende des Roman-Tages ins Bett zu Füßen von Molly legen. Bei Homer ist das Ehebett Erkennungssymbol für die Identität des Odysseus, Penelope ist sicher, Odysseus vor sich zu haben, als er ihr erklärt, wie das Bett gebaut ist. Für Bloom (Ulysses) bleibt vieles unsicher, denn Mollys letzter Ehebruch ist nicht lange her, ja, könnte am Nachmittag im selben Bett stattgefunden haben, aber es ist doch ein warmes Zuhause, in dem er friedlich einschläft.

Der Roman „Ulysses“ entstand in den schwarzen Katastrophenjahren von 1914 bis 1921 und erschien 1922.

Joyce nahm mit diesem Roman auf die Entwicklung des modernen Romans erheblichen Einfluss. Bahnbrechend war das neue Stilmittel des ‚stream of consciousness’ (Bewusstseinsstrom), das die Gedanken und Gefühle der Figuren unmittelbar und ungefiltert wiedergibt. Joyce’ Rebellion gegen traditionelle epische Formen geht zum Teil auf die jahrelange Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds zurück. Joyce’ Simultanstil, das Nebeneinander isolierter Gedanken, Gesprächsfetzen und vielfältigen Geschehens wurde richtungweisend für die Literatur des 20. Jahrhunderts.

Der Ulysses gilt als der erste durchgehende literarische Versuch einer Erzählung, in der sich Beschreibungen von tatsächlichen Aktionen mit subjektiven Wahrnehmungen, Erinnerungen und Emotionen der handelnden Personen zu einem narrativen Ganzen zusammenfügen. James Joyce gelang mit „Ulysses“ die Erneuerung des Erzählens und seiner stilistischen Lösungen in der Form der neuen Erzähltechnik des stream of consciousness. Man kann sich kaum einen größeren Gegensatz zu Homers Stil vorstellen, der eine reine Kunstsprache, wie sie in dieser geschriebenen Form nie gesprochen wurde, benutzt.

Der Vers der Odyssee ist der Hexameter. Der Stil zeigt ohne Ausnahme die gleiche Höhe, alles Niedere wird gemieden.

Der Ulysses umfasst 789 Seiten behandelt die Geschehnisse eines einzigen Tages, des 16. Juni 1904 in Dublin rund um die Protagonisten Stephen Dedalus sowie das Ehepaar Leopold und Molly Bloom, deren Beziehungen zueinander in Anlehnung an die Figurenkonstellation Telemachus, Odysseus und Penelope in Homers „Odyssee“ dargestellt werden.

Die äußere Handlung ist marginal und unspezifisch, alltäglich und nahezu nichtssagend. Eigentlich nicht erwähnenswert. Der Handlungsarmut steht aber ein Geflecht, ja ein Kosmos, von Gedanken , Erinnerungen, Assoziationen, Reflexionen, Leseerfahrungen und intertextuellen Anspielungen gegenüber. Besonders oder geradezu schockierend wird das am Ende des Romans bzw. des Romantages deutlich: Molly bleibt noch einige Zeit wach. In ihrem Bewusstseinsstrom wird der Leser in ihren Kopf beziehungsweise ihr Unterbewusstsein hineinversetzt, er verschmilzt mit ihren Gedanken, Assoziationen, Wünschen, Sehnsüchten. Der Leser hat zu ihrem Innern fast einen direkteren Zugang als sie selbst und als der Autor. Der Autor verschwindet gewissermaßen.

Wie im Traum oder Halbschlaf spielen Erinnerung und Assoziationen in den Gedankenstrom, in ihren Bewusstseinstrom hinein. Erotische Gedanken, der Nachmittag mit ihrem Geliebten, Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in Gibraltar, an ihren Mann Leopold, an frühere Wohnorte, an ihre stagnierende Gesangskarriere und schließlich an den Heiratsantrag des neben ihr schlafenden Mannes strömen in acht langen Sätzen und 60 Seiten ohne Punkt und Komma durch Mollys und der Leser Hirn. Joyce verzichtet auf ‘ perverses commas’ , die eine Überlegenheit des Erzählstandpunkts suggerieren.

Durch den Titel Ulysses erhält die Alltäglichkeit wie der Bewusstseinsstrom den mythologischen Bezugsrahmen, die Transposition in die örtliche, zeitliche und handlungsmäßige Entgrenzung.

Schon der 12jährige James Joyce hatte Odysseus zu seinem Lieblingshelden erkoren. Er erschien ihm als „der menschlichste“ unter den Helden der Antike; dem erwachsenen Joyce war Odysseus die „humanste Figur der Weltliteratur“. Odysseus war ihm der einzige Mann aus Hellas, der gegen den Krieg auftrat, der die List, die geistige Konstruktion der Schlacht vorzog, der mit Phantasie, Klugheit und humorvoller Schlauheit seine Lebens-Irrfahrten bestand.

Wie der Titel ist auch die Struktur und Kapiteleinteilung des Ulysses stark von Homers Werk beeinflusst. Die Irrfahrten tauchen in höchst verwandelter Form auf, werden in komplexeste Handlungsepisoden übersetzt und eine direkte Analogie oder ein inhaltlicher Bezug zu suchen, wäre verfehlt. Der Autor Nabokov hat das sehr scharf formuliert: „…die Herausarbeitung enger Parallelen bei jeder Gestalt und jeder Szene des Buches ist reine Zeitverschwendung.“

Und doch gibt es das Schema, das Joyce für Freunde erstellt hat, die um Hilfe baten. Es zeigt einen gerade zu überbewussten Schriftsteller, der so viele Bezüge in eine scheinbar oberflächliche Handlung hineingeheimnisst, dass man Monate braucht, diese verschiedenen Schichtungen zur Kenntnis zu nehmen geschweige denn zu verstehen.

Ein Beispiel ist das Kalypso-Kapitel:

“I told you to read the Odyssey first.”

James Joyce an seine Tante Josephine Murray am 10.11.1922, nachdem sie sich beklagt hatte, der Ulysses sei zu schwierig (Letters I, 193).

Um seinen Lesern die Lektüre dieses Buches zu erleichtern, hat Joyce wiederholt dazu aufgefordert, sich vorher mit Homers Odyssee zu beschäftigen. In Homers ambivalenter Darstellung der Odysseus-Ulysses – Gestalt (bei Joyce der “Polytropos”, der Ulysses der multiplen und der adaptiven Persönlichkeiten – bei Homer der Polytropos, der viel Gewanderte, jetzt aber isolierte Gefangene der Kalypso) offenbart sich der poetische Plan.

Die kompositorischen und thematischen Verbindungen zwischen dem Roman und seinem antiken Vorbild sind enger als vielfach angenommen. Wer die Odyssee „vorher liest”, erhält in der Tat einen Schlüssel zu vielen ungelösten Rätseln des Ulysses. Der klassische Odysseus tritt erst nach der Telemachie, der Suche des Sohnes nach dem Vater auf, im 5. Gesang. Leopold Boom, Ulysses, tritt erst im 4. Gesang, nach der dreiteiligen Sohnesgeschichte, des Stephen Dedalus auf.

Der dreigegliederte Gesamtbau zum Beispiel des 4. Kapitels des Ulysses stimmen mit dem Bauplan des 5. Odyssee-Gesanges überein.

Das thematische Grundmuster des homerischen Vorbilds wird deutlich; sein Ausstrahlen in den Roman beweist, dass der Calypso-Episode bei Joyce eine ähnlich exponierte Bedeutung zukommt wie der homerischen Szene für die Odyssee.

Im 5. Gesang von Homers Odyssee begegnen wir zum ersten Male Odysseus selbst bei Calypso. Sieben Jahre hat die schöne, ja attraktive Göttin, die Nymphe, ihn festgehalten, im wahrsten Sinne des Wortes. Tagsüber sitzt er am Strand voller Sehnsucht nach Ithaka und Penelope sich verzehrend, nachts liegt er bei der Nymphe, ihr, mehr oder weniger freiwillig ihre Sehnsucht stillend. So ging das 7 Jahre. Hermes hat ihr nun den Beschluss der Götterversammlung mitgeteilt, dass sie Odysseus nach Hause entlassen muss.

Homers Humor möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Im O-Ton lautet das in der bereits erwähnten neuen Übersetzung von Kurt Steinmann so (IV, 146ff) (der Höhepunkt und die Wende im Dialog):

“…und die Sonne ging unter und hoch stieg das Dunkel.

Und sie gingen beide ins Innre des Grottengewölbes

und genossen die Liebe, beieinander verweilend.

Als in der Frühe Eos erschien mit rosigen Fingern,

zog sich Odysseus gleich den Mantel an und den Leibrock,

Aber die Nymphe zog sich ein weites helles Gewand an…

GemeinsIMG_2897am zimmern sie dann das Floß.”

Odysseus sticht in See, Poseidon bemerkt das und schickt Stürme, wie wir bereits erwähnt haben, dass Odysseus nahezu ertrinkt, aber Athene beruhigt die See und er wird an das Ufer von Scheria geworfen. Erschöpft schläft er ein. So findet ihn Nausikaa, die Tochter des Königs der Phäaken.

Der durchschnittliche, aber humane Leopold Bloom, der moderne Jedermann, Ire ungarisch-jüdischer Abstammung, tritt erstmals im vierten, von Joyce in seiner sogenannten Linus –Tabelle Calypso-Episode genannten Kapitel auf. Er bereitet das Frühstück für seine grunzend mit massigem Leib im Bett liegenden übel gelaunten Frau Molly, liest einen Brief seiner Tochter Milly, geht in die Stadt, kauft sich Nieren zum Frühstück. Wie Odysseus die Calypso, so hat Bloom seine Frau verlassen und beginnt nun seine tägliche Odyssee durch Dublin, während seine Gedanken immer wieder zu Molly zurückschweifen, die er bei der Heimkehr als eine Penelope, also als eine treue Gattin, wiederzusehen hofft. Sein Weg führt ihn zunächst zum Postamt, wo er unter dem Namen “Henry Flower” einen postlagernden Brief abholt: er korrespondiert heimlich mit einer Stenotypistin namens Martha Clifford – ein bescheidenes Pendant zu den vielen Ehebrüchen seiner Frau. Er streift durch die Stadt. Er geht an vielen Geschäften vorbei und denkt über sie nach.

Sein stream of consciousness erzählt Mythisches, Alltägliches, Persönliches- Assoziationen aus seinem ganzen Leben. Also eine Art Exposition seiner Person und seiner Rolle im Roman.

Wieder zuhause brät er die Niere, bringt seiner Frau einen Brief, der ihn während des Tages noch weiter beschäftigen wird, ißt, geht aufs WC, wo er in einer alten Illustrierten eine Kurzgeschichte liest, sich den Hintern abwischt, die Hosen hochzieht.

Schon die kurze Zusammenfassung macht die Parallelen deutlich. Andere Parallelismen sind beispielsweise die Lotophagen, die Lotosesser bei Homer, die durch die Blütenspeise alles vergessen, was sie als Intention hatten, Vergangenheit und Zukunft und nur noch im Jetzt leben wollen. Odysseus Gefährten essen davon und werden von ihm gerettet, indem er sie gegen ihren Willen mit Gewalt zu den Booten schleppt. Deutlich ist die Referenz mit der Joyceschen Darstellung der halluzinatorischen Aufgeladenheit seines Rotlichtmilieus. Oder die Beerdigungsszene und die Reflexion über Sterblichkeit und Spiritualität als moderne Version des Hades-Gesanges bei Homer.

Wer ist Bloom? Kein homerisch Kluger, er ist einerseits ein alltäglicher Charakter, der durch die täglichen Verrichtungen in der Stadt ebenso herumgeht wie durch sein Unterbewusstsein. Er ist im antisemitischen Umfeld als Jude Außenseiter. Das verbindet ihn mit Odysseus, gibt ihm aber auch Abstand zum Geschehen. Auch seiner Frau Molly gegenüber ist er einsam, denn sie hat Affären, die er ahnt. Aber durch den gesamten Roman ist er freundlich zu seinen Mitmenschen, ja er fungiert als Vaterfigur für Stephen.