21 Mrz

Worüber lacht der Mensch?

smile-191626_1920

Ein lächerlicher Fragenkatalog

 

Treffen sich zwei Jäger im Wald, gilt angeblich als der kürzeste Witz. Worüber lachen wir? Was ist eigentlich Humor? Was darf Satire?

Schiller weiß dazu zu sagen: „In der Satire wird die Wirklichkeit als Mangel dem Ideal als der höchsten Realität gegenübergestellt.“ Tucholsky meint Satire darf alles in seinem Aufsatz von 1919. Und 1932 fügt er weise hinzu: Satire hat eine Grenze nach oben: Buddha entzieht sich ihr. Satire hat auch eine Grenze nach unten. In Deutschland etwa die herrschenden faschistischen Mächte. Es lohnt nicht – so tief kann man nicht schießen.

Werner Finck war einer der großartigsten Kabarettisten der 30er Jahre, dessen subtil-lakonische Angriffe auf den Faschismus bis heute legendär, wenngleich er selbst fast vergessen ist. Von ihm stammt folgende Geschichte, als er wieder einmal von den Nazis verhaftet wurde:

Wirklich verlegen – und überaus höflich – bedauerten sie, mich verhaften zu müssen. Dann begleiteten sie mich ins gegenüberliegende Gefängnis. Bei meinem Eintritt sprang ein baumlanger SS-Mann auf mich zu und fragte: ‚Haben Sie Waffen?‘ ‚Wieso?‘ fragte ich. ‚Braucht man hier welche?‘

Spätestens seit dem Attentat auf die Karikaturisten von Charlie Hebdo in Paris ist die Frage, was darf Satire nicht mehr unumstritten. Jan Böhmermann hat mit seinem Schmähgedicht gegen den türkischen Staatspräsidenten in den Augen vieler eine Grenze überschritten, andere wiederum empfanden es als klugen Kunstgriff in einem größeren Kontext. Beleidigung von Vertretern ausländischer Staaten darf Satire (noch) nicht. Definiert ist sie jedoch als „Kunstgattung […], die durch Übertreibung, Ironie und Spott an Personen [und] Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt.“ Nicht selten bedient sie sich grober Stilmittel und bewegt sich damit auf einem schmalen Grat.

Ist Satire Kunst und ist darüber eigentlich zu streiten? Satire-Zeitschriften gibt es seit dem 19. Jahrhundert und schon immer hatten sie Probleme mit der Zensur. Große Beachtung in der Bundesrepublik fanden die von 1962 bis 1982 erscheinende Satirezeitschrift Pardon und die von einigen ihrer Mitarbeiter initiierte Nachfolge-Satirezeitschrift Titanic, die es seit 1979 gibt. Immer wieder kam es zu Skandalen und scharfer Kritik durch jene, die von den Blättern angegriffen und bloßgestellt wurden. Wenn es um die juristische Wirkung geht, muss man Titanic bescheinigen, durchschlagenden Erfolg gehabt zu haben.

Die Frage ist aber auch, was kann Satire? Wir haben gesehen, dass Ironie und lachhafte Darstellung eines Politclowns das Gegenteil bewirkt haben, weil sich seine Anhängerschaft mit ausgelacht fühlte. Und damit diskriminiert. Gleichzeitig muss man ihr zugute halten, dass sie die müde Debattenkultur wieder in Bewegung zu bringen vermag. Weil sie noch überraschen und empören kann. Sie verweist auf systemische Schwachstellen, indem sie das System selbst unterläuft – im Falle Böhmermanns innerhalb der Demokratie.

Sind Lachseminare gesund? Eckard von Hirschhausen hat die Stiftung „Humor hilft heilen“ gegründet und behauptet: Täglich ein Witz und es geht uns besser. Warum gibt es eigentlich Witzeperioden, wie Blondinen, Häschen, Klein Erna aus Hamburg. Was spielt Geschmack für eine Rolle, was die landsmannschaftlichen Wurzeln. Wir kennen Ostfriesenwitze, die über die Burgenländer in Österreich gleichermaßen erzählt werden, wie Bayern, die ihren Weißwurschtäquator vehement verteidigen. Die unterschiedlichen Lachmuskelbewegungen haben neulich in den sozialen Medien einen gemeinsamen Auftritt inszeniert. Satiresendungen aus zahlreichen Ländern erprobten das Stilmittel der Ironie durch Videospots mit dem Titel „…First“ in Anlehnung an Donald Trumps Beschwörungsformel „America first“. Ein Quotenhit übrigens im World Wide Web.

Karneval in Köln, Fasching und Fasenacht. Ist das zum Lachen? Manche steigen in die Bütt, manche fliehen, um damit sie nicht damit in Berührung zu kommen. Was meinen wir, wenn wir behaupten, etwas sei überhaupt nicht komisch? Oder etwas sei ja lächerlich! Warum haben Kinder manchmal Angst vor Clowns? Warum gibt es andererseits keinen Zirkus ohne den lustigen Kerl, der niemals eine Frau ist?

Nun bleibt noch die wesentliche Frage, kann man all das in einer Denkwoche in Château d’Orion bearbeiten? Immerhin treffen sich dort nicht zwei Jäger, sondern ein Philosoph, der in der Aufführung von Loriotsketchen erprobt ist, und ein Kabarettist, der eine Dissertation in Philosophie geschrieben hat. Rudolf Lüthe und Alfred Dorfer. Ist das nicht mal eine lustige Kombi?!

Ja, wir sind überzeugt, Humor ist ein Phänomen, wie Liebe und wie Träume. Da hilft auch das Denken, der Sache auf die Spur zu kommen.