31 Mrz

Gelebte Philosophie

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Eine Woche für Gesundheit, Lebensfreude und Wohlbefinden

Es war die Sehnsucht nach einem Ort, an dem Geist und Genuss zusammenfinden und die Balance zwischen Hand und Kopf wiederhergestellt wird, um daraus ganz neue Erkenntnisse zu gewinnen, die uns antrieb, unseren Lebensmittelpunkt nach Südwestfrankreich zu verlegen. Bald entsprang daraus die Idee der Denkwochen, welche einen Raum bieten sollten, in dem Gegebenheiten und Systeme hinterfragt werden sowie aus der Kommunikation mit anderen heraus mutige Ideen formuliert und Alternativen gedacht werden können. Claus Albermann, Lehrer für Taiji und Qigong sowie Gründungsmitglied des Taijiquan und Qigong Netzwerk in Hamburg, wird sich im Rahmen einer Denkwoche im Juni dieses Jahres deshalb der Frage widmen, wie ein Leben im Einklang mit Körper und Geist möglich ist und das Denken beweglich bleibt. Seine Erwartungen an die Woche hat er schon vorab mit uns geteilt:

Claus Albermann„Während der Denkwoche mit dem Thema „Bewegte Philosophie – das Gute Leben im Einklang mit Körper und Geist“ werden wir das Experiment wagen, geistige und körperliche Inspiration zu kombinieren. Im Erforschen und Erleben, wie sich Körper und Geist wechselseitig stärken und ergänzen können, lässt sich erfahren, was die Beiden verbindet und wie sie zum Wohle unseres ganzen Daseins wirken können.

Schon vor dem Frühstück werden wir mit Hilfe von sanften, entspannten und gleichzeitig aufmerksamen Übungen den Körper und den Geist miteinander in Kontakt bringen. Auf diese Weise wird spürbar, dass sie auf ganz besondere Weise energetisch miteinander verbunden sind. Nach dieser Einstimmung in den Tag sind die Sinne geschärft und Körper und Geist erfrischt, sodass sich das gemeinsame Frühstück als noch schmackhafter und nährender erweisen wird.

Steht zunächst der Körper mit seinen Bedürfnissen in unserem Fokus, so erlauben wir dem Geist anschließend in den Stunden vor der Mittagspause in den Mittelpunkt unseres Interesses zu rücken – in der Auseinandersetzung mit den Grundfragen der chinesischen Weltsicht. Die dort gegebenen Antworten mögen zunächst simpel erscheinen, bei näherer Betrachtung erweisen sie sich jedoch als sehr komplex. Die Konfrontation mit den Gedanken der beiden großen chinesischen Philosophien, dem Konfuzianismus und dem Daoismus, trägt zu einer erweiterten Sicht auf die Welt bei.

Chateau Orion

Nicht nur der Körper, auch der Geist muss ruhen, um leistungsfähig zu bleiben und wird bei einem Tee unter der Platane, einem Spaziergang durch die grüne Landschaft oder einer Erkundungstour der Umgebung des Château d’Orion Gelegenheit dazu haben. Die späten Nachmittage werden damit gefüllt, die Erkenntnisse des Geistes dem Körper erfahrbar zu machen. Dazu nutzen wir einige ausgewählte Übungen aus dem reichen Schatz, den uns die chinesische Kultur überliefert hat: des Qigong (Sammelbegriff für eine Vielzahl von Übungen zur Lebenspflege) und des Taiji (Handeln nach dem höchsten und letzten Prinzip). Wer möchte, lässt den (Übungs-)Tag mit einer Gehmeditation, dem „Gang des alten Gelehrten” und mit anregenden Gesprächen und gemeinsamem Austausch beim Abendessen ausklingen, welche hoffentlich die Neugier auf den nächsten wecken.

Ich freue mich auf eine besondere, erkenntnis- und erfahrungsreiche Woche sowohl für den Körper als auch für den Geist in der wundervollen Atmosphäre des Château d’Orion, welche das Erleben bereichern und hoffentlich inspirierend und stärkend bis in den Alltag hineinwirken wird.”

Und wir freuen uns auch darauf, mit Claus Albermann auf neuen Wegen das Bewusstsein für den Körper zu stärken und unser Denken auch körperlich erfahrbar zu machen!

 

29 Mrz

Denkgeschichte

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Ein Blick zurück mit gemischten Gefühlen

08.04 041 Wenn ich meine Tochter in dem schäbigen, windigen Küchenabteil lachend das Geschirr abspülen sehe oder die kerzenbeschienene kleine Tafel im Schatten der Baustelle, dann wird mir warm ums Herz. Aber auch ein wenig flau. Denn es ist alles andere als selbstverständlich, dass wir heute im eleganten Salon sitzen und dort staunend die Fragen der Welt betrachten und den offenen Diskurs wagen, der in unserer Zeit so dringend gebraucht wird.

Ein hartes Stück Arbeit liegt hinter uns und heute ein kleines Wunder vor uns, das nur durch viel Wohlwollen der Familie, der Freunde und der Begleiter, die daran geglaubt haben, Wirklichkeit wurde. Am Anfang standen wir nicht nur in Ruinen, sondern auch vor der Frage: Kann man wirklich Denkwochen in die Welt bringen, wo die Menschen doch täglich am Schreibtisch schon mit so viel „Denkzeug“ konfrontiert werden?

2001 hatte ich begonnen, die Familie behutsam an meinen Denkplan zu gewöhnen. Ein Manager, eine Psychologiestudentin und ein angehender Industriedesigner wurden von mir vertraut gemacht mit einem Konzept, das so gar nicht in die Zeit zu passen schien. Waren doch um uns herum alle rastlos unterwegs, immer auf der Überholspur und wollten, wenn überhaupt, Freizeit anstatt nur die Seele baumeln lassen. Wie das so schön hieß.

Zunehmend tauchten schließlich Argumente auf, die die „Akademie zur Gewinnung und Vertiefung von Erkenntnissen“, etwas später Denkwochen genannt, nährten. Beispielsweise verkündete der Vorstandsvorsitzende der BMW AG Eberhard von Kuehnheim, nur der ganzheitlich gebildete Manager könne die Probleme der Gegenwart überhaupt erkennen, geschweige denn lösen. Oder Stephan Gutzeit, der damals das European College of Liberal Arts in Berlin gegründet hatte:

„Was gewinnt ein Manager, der Goethe liest – auch Dante, Shakespeare, Rousseau und Tolstoi?

Wer diese Texte liest, begreift und sich mit ihnen auseinandersetzt, dem ist nichts Menschliches mehr fremd, der versteht andere besser und sich selbst. Das ist nicht wenig für einen Menschen, dem die Führung anderer obliegt. Wer darüber hinaus Literatur regelrecht studiert, sie also mit Disziplin und Einfühlungsvermögen analysiert, mit Gleichgesinnten bespricht und dann selbst Schriften verfasst, lernt gut und klar zu schreiben, zu reden und zu denken, keine unbedeutende Schlüsselqualifikation auch das. Nicht zuletzt gewinnt er eine neue Auffassung von Gewinn, indem er versteht, daß neben Zahlen und Fakten auch anspruchsvolle Inhalte, ein guter Stil, nachhaltige Lebensqualität und andere ‚weiche Faktoren‘ wichtig sind – woraus folgt, daß er diese Momente verstehen muß, durchaus auch im Interesse der Bilanz seines Unternehmens, des Gewinns im engeren Sinn.“

Zweifel an der Akkumulation von Wissen wurden laut, das verknüpfende Denken versprach Orientierung, Sinnsucher machten sich auf den Weg, stellten neue Fragen.

Ein Blick zurück in erste Denkzeiten sei gestattet. Mit der Frage „ Ist das Ich eine Illusion?“ und einem philosophischen Blick auf neurobiologische Erkenntnisse sind wir damals gestartet. Der Wissenschaftsphilosoph Prof. Thomas Metzinger war es, der uns anleitete, darüber nachzudenken, ob wir tun was wir wollen oder wollen was wir tun.

Biarritz en 1900 - Page 8 308Die Küche hat sich seither verändert, unser Denken auch. Was bleibt ist die Vision, durch gedankliche Bewegung Perspektiven zu öffnen. Wie gut, dass es dazu immer neues Futter gibt. Deshalb hier noch ein Buch-Tipp: Mit Platon in Palästina – vom Nutzen der Philosophie in einer zerrissenen Welt. Von dem kanadischen Philosophen Carlos Fraenkel.

Im Klappentext heißt es: „Die Philosophie kann die Gegensätze zwischen Religionen und Kulturen nicht aufheben. Aber sie zeigt uns, wie wir Positionen begründen und Argumente austauschen können – was in einer Welt der Sprachlosigkeit und Gewalt viel bedeutet.“

Dem schließen wir uns gerne an. Oder nehmen wir Goethes Worte:

„Seht, …, was wäre ich denn, wenn ich nicht immer mit klugen Leuten umgegangen wäre und von ihnen gelernt hätte? Nicht aus Büchern, sondern durch lebendigen Ideenaustausch, durch heitere Geselligkeit müsst ihr lernen.“

Chateau von FerneAuch dem schließen wir uns gerne an und preisen beides, Buch und Gespräch, Geist und Genuss im Château d’Orion.

 

 

10 Mrz

Ein Stern im Béarn

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…heißt der Titel des Buches, das eine befreundete Autorin geschrieben hat.

Claudia_BuchWie es dazu kam, ist auch schon wieder eine Geschichte. Claudia Tebel-Nagy wollte sich eigentlich nur ein wenig erholen unter der Platane mit Blick auf die Pyrenäen. Bei ihrer Ankunft tippelte mit kleinen, unbeholfenen Schritten eine schmales Persönchen an ihr vorbei, einen Stock in der Hand, auf ihren Lippen ein Lächeln: „Bonjour Madame!“ grüßte Madame Marguerite Labbé, die Tochter von Léon Bérard, ehemaliger Erziehungsminister der dritten Republik und im Krieg Botschafter im Vatikan.

Chateau d’Orion war ihr als Erbe von ihrem Mann Jean Labbé zugedacht, gewünscht hatte sie sich das nicht. Denn sie besaß weder die Kraft noch die Möglichkeiten, das langsam zerfallende Gemäuer aufrecht zu erhalten. Nach langer Überlegung verkaufte sie es an uns, eine deutsche Familie. Keine einfache Entscheidung, schließlich barg das Haus während des 2. Weltkrieges einen Hort der Resistance. Ihr Schwager Paul Labbé hatte dieses Netzwerk gemeinsam mit Freunden und Kameraden gegründet. An der Einfahrt zum Schloss wurde 1985 dazu eine Stele errichtet.

Unsere erste Begegnung fand an Ostern 2002 statt. Nieselige Apriltage, die Erinnerung an feuchte Luft auf der Haut und einem quietschenden Gartentürchen zwischen Kirchhof und Schlossübergang. Fröstelnd traten wir ein in ein Haus, das beim Betreten der Eingangshalle schon dieses seltsame „Es war einmal …“ Gefühl hervorruft. Der Literat Emanuel Berl, der eine Tochter des Hauses ehelichen wollte und verschmäht wurde, gab bei einem Interview mit Patrick Mondiano zu Protokoll: „Ich liebe dieses Orion, das Haus, in dem einen der Duft der Erinnerung die Nüstern aufblähte.“ Das war aber schon in den frühen 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Wie mußten wir uns erst fühlen, nachdem Château d’Orion schon seit den 80er Jahren einen verwunschenen Schlaf führte? In seiner Mitte Madame Marguerite Labbé, eine Schlossherrin, die  zwischen Kemenate, Kirche und Küche hin und her wandelte, einmal täglich dort aus dem scheppernden, rostigen Kühlschrank eine Creme Caramel oder ein Joghurt herausziehend.CdO_Vor_Renovierung_Innen_017

Man könnte wahrlich ins Erzählen verfallen, weil da so viele Türen zu immer neuen Erinnerungen führen. Bleiben wir bei der Begegnung von Claudia mit Marguerite. Später würde sie sagen, das war ein coup de foudre. Claudia Tebel-Nagy war blitzschnell überzeugt, dass es sich lohnte, die Geschichte der ehemaligen Besitzerin aufzuschreiben. Ja, dass es sogar ein leidenschaftlicher Wunsch wurde.

Lange Gespräche zwischen den beiden folgten und die Idee zu einem Roman reifte.

Madame_LabbeAch ja, es muss wohl noch gesagt werden, dass Marguerite Labbé noch heute in ihrem Zimmer lebt. Sie verläßt es nicht mehr, lebt in ihrer Welt mit ihren Erinnerungen und wird versorgt durch die Equipe von Château d’Orion. Sie wird nicht müde zu schätzen, dass das Haus zu neuem Leben erwachte und dafür findet sie auch Worte:

„Ich liebe Sie, die Sie dieses Haus lieben, das so geliebt wurde, von denen, die ich geliebt habe!“

 

09 Mrz

Gemeinschaft, Geist und Genuss

Deutsch_Franz_Freundschaft

Ein Haus ohne Freunde ist wie ein Wald ohne Bäume.

Château d’Orion kann sich glücklich schätzen, nicht nur an vielen Orten vertraute Menschen zu wissen, sondern sogar zwei Freundeskreise um sich zu scharen. Auf der Basis der deutsch-französischen Entwicklung engagieren sich in Frankreich der Verein Rencontre d’Orion und in Deutschland Château d’Orion e.V.  für die Entwicklung von Projekten, künstlerischen Veranstaltungen und vielfältigen Begegnungen.

Maßnahmen, die Wirkung zeigen. Als wir in gemeinsamer Anstrengung die 50-jährige Freundschaft der beiden ehemals verfeindeten Staaten Deutschland und Frankreich feierten, kam Jean Dufau, der Bürgermeister des kleinen Weilers Orion auf mich zu und bekundete, er wisse erst seit wir gekommen sind, was deutsch-französische Freundschaft ist und wozu sie gut sei.

Am vergangenen Wochenende lud nun der deutsche Freundeskreis ins Gut Sonnenhausen ein, um den Mitgliedern und Interessierten eine Anmutung zu geben, wie Gemeinschaft, Geist und Genuss zu kombinieren sei.

EnzensbergerAuch Hans-Magnus Enzensberger gab uns die Ehre und war gekommen, um sich im Gespräch mit der jungen Studentin Anna Staab der Streitkultur zu widmen. Jörg Lau schreibt in seiner Biographie: „Im Leben dieses großen Schriftstellers, der die Bundesrepublik so beredt wie kein anderer verwünscht, aufgeklärt mit ihrer Mittelmäßigkeit versöhnt und abermals verwünscht, spiegelt sich zugleich ein Stück deutscher Mentalitätsgeschichte.“

Anna Staab begrüßte er mit der Maxime: „Folge Deinem Stern!“.

Janna Schwanemann, die demnächst dem Sternbild Orion nach Südwestfrankreich als Praktikantin folgen wird, hat das Wochenende in Gut Sonnenhausen beobachtet. Hier ihr Beitrag: 160308_Gastblog_Janna

03 Mrz

Was braucht der Mensch…

Logo_Freundeskreis

EvThadden…so lautete der Titel einer Denkwoche mit Elisabeth von Thadden in 2015, die im Übrigen in diesem Jahr wieder stattfindet. Nicht als Wiederholung, sondern mit neuer Kraft und ergänzenden Texten. Wir hatten im vergangenen Herbst festgestellt, dass wir zwar eine intensive und erkenntnisreiche Zeit durchlebten, aber längst nicht erschöpfend mit der Materie umgehen konnten. Eine Denkwoche lang beugten wir uns über Texte und Geschichten, erzählten uns von eigenen Erfahrungen und waren uns einig: Es muss eine Fortsetzung geben, 2016 in Kooperation mit den ZEIT-Reisen.

Die Idee, eine heterogene Gruppe aus verschiedenen Generationen zusammen an einen Tisch zu bringen, verfolgt die Denkagentur Chateau d’Orion von Anfang an. Die gegenseitige Befruchtung aus verschiedenen Blickwinkeln, Erlebnisräumen und Zeiten ist ein Reichtum unserer Begegnungen. Inzwischen gibt es eine stattliche Zahl von Denkwochen-Alumnis, die uns bis heute begleiten und deren Lebensweg wir mit Freude verfolgen. Wann immer möglich mit gegenseitiger Unterstützung.

Inzwischen hat es der Verein Château d’Orion e.V. übernommen, zwei Stipendien für junge, interessierte Teilnehmer zu übernehmen. Dieses Mal waren es die beiden Philosophie-Studentinnen Lea Ransbach und Jenny Fadranski.

Ihr Bericht spricht für sich: Bericht Denkwoche E. von Thadden 2015