14. – 20. April 2019: Doktor Faustus und die Musik
Der Epochen-Roman von Thomas Mann im Spiegel einer Denkwoche

Thomas Mann © Condé Nast Archive/Corbis

„Vielleicht haben wir von allen Kindheitstagen diejenigen am intensivsten durchlebt, von denen wir glaubten, wir hätten sie nutzlos vertan: die nämlich, die wir mit der Lektüre eines Lieblingsbuches verbrachten.“

Marcel Proust (1871 – 1922)

 

Liebe Denkerin, lieber Denker,

wer auf der Suche nach Inspiration und Erholung ist und der Kunst des gelingenden Lebens auf die Spur kommen möchte, der ist im Château d’Orion, dem Gäste- und Kulturhaus am Fuße der Pyrenäen, genau richtig. Wo könnte man besser über Wesentliches nachdenken als unter der alten Platane mit Blick auf Wiesen, Weiden und Wälder oder vereint um das prasselnde Lagerfeuer?

 

Lesen gehört zu den nachhaltigsten Methoden der Verlangsamung und Bereicherung des Lebens, des sinnvollen und kreativen Umgangs mit Zeit, mit sich und der Welt. Und wie wunderbar, das Gelesene, die Früchte, auszutauschen und den Reichtum zu teilen!

Thomas Manns „Doktor Faustus“ ist ein Künstlerroman über die Figur des Faustus, den Komponisten Adrian Leverkühn. Und er ist ein Epochenroman über die politische, gesellschaftliche und spirituelle Situation in Europa vom Ende des 19. Jh. bis 1945. Die Hauptfigur wird zum Spiegel für Deutschland. Adrians Teufelspakt steht auch für die deutsche Katastrophe der zwei Weltkriege und den Zusammenbruch aller abendländischer Werte.

Philosophen und Historiker sehen viele Parallelen zwischen 1900 bis 1933 zur heutigen Situation. Wir verstehen also vielleicht unsere Zeit besser, wenn wir uns dem „Doktor Faustus“ widmen.

Thomas Mann gibt den Inhalt so wieder: „Figur des syphilitischen Künstlers: Als Dr. Faust und dem Teufel Verschriebener. Das Gift wirkt als Rausch, Stimulans, Inspiration; er darf in entzückter Begeisterung geniale, wunderbare Werke schaffen, der Teufel führt ihm die Hand. Schließlich aber holt ihn der Teufel. Paralyse.“ (Notiz Thomas Manns aus dem Jahr 1905)

Unsere Methode: Dialogisch nähern wir uns dem Werk, hören Musik, von der im Roman immer wieder die Rede ist und lesen einige Szenen miteinander, einander hörend und wahrnehmend. Madame Mélina Burlaud, Professorin für Klavier in Pau wird die Musikstücke spielen und wir werden darüber sprechen.

 

Eingehendere Einführungen in die Themen und Hintergründe des Romans finden Sie auf unserem Blog.

Für die gemeinsame Arbeit ist es hilfreich, wenn wir die gleiche Ausgabe benutzen: Thomas Mann, „Doktor Faustus“, In der Fassung der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe Fischer Taschenbuch, 2012, ISBN 978 – 3 – 596 – 90403 – 7

Das gilt auch für Thomas Manns „Roman über den Roman“ : „Die Entstehung des Doktor Faustus“, In der Fassung der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, Fischer Taschenbuch, 2012, ISBN 978 – 3 – 596 – 90404 – 4

 

Referent

Hans-Joachim Mattke ist 1944 in Breslau geboren. Seine Kindheit und Jugend hat er in Stuttgart verbracht. Er studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Tübingen. Besondere Prägung hat er durch Walter Jens und Ernst Bloch erfahren. Es folgte ein zusätzliches Studium der Theaterwissenschaften und Regie in Wien. Viele Jahre lehrte er an Lehrerseminaren in Deutschland und USA und gab Unterricht an gymnasialer Oberstufe in Stuttgart in Literatur, Kunstgeschichte, Drama und Theater sowie über 20 Jahre hinweg Literaturkurse an Summer Colleges in USA. Über Jahrzehnte reiste Mattke immer wieder nach New York, Washington und Hawaii als Berater im Bereich „teaching quality“.

Hans-Joachim Mattke ist Autor des Stücks: „John Cage und Mark Rothko – Warum haben Leute mehr Angst vor neuen Ideen und nicht vor alten“ (Uraufführung am 24. 11. 2012 im Theaterhaus in Stuttgart). Er realisierte ein Theater mit Jugendlichen, Crossover mit Musikern und Schauspielern, Profis und Amateuren: Strawinskys „Die Geschichte des Soldaten“ in Stuttgart und Salzburg. Er wirkte in der Regie und als Darsteller in mehreren Theaterprojekten mit Dada-Texten in verschiedenen deutschen Städten und in der Schweiz mit. Derzeit arbeitet er an einem Theaterstück über Thomas Manns „Dr. Faustus“ und Arnold Schönberg.

 

Mélina Burlaud  ist Deutsch-Französin und im Jahre 1977 geboren. Sie hat als Pianistin eine Spezialausbildung in Vokalbegleitung im Bereich des Liedes und der Melodie. Mit dem Musikstudium hat sie am Konservatorium ihrer Heimatstadt Pau begonnen. Danach studierte sie am Konservatorium in Toulouse, wo sie die ersten Preise in Klavier, Kammermusik und Orgel erhielt. 2001 bekam sie ein Stipendium des DAAD und setzte ihr Musikstudium an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” und später an der Universität Wien fort. Mélina Burlaud war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes.  2011 erhielt sie am Conservatoire Supérieur in Paris das Diplom als Musikschuldirektorin. Seit 2006 ist sie Professorin für Klavier am Konservatorium in Pau und Toulouse. Im Rahmen verschiedener Akademien hat sie in Europa mit bedeutenden Künstlern gearbeitet u.a. mit Hans Leygraf, Jean Boyer, Dalton Baldwin, Udo Reinemann, Peter Schreier und Brigitte Engerer. Sie gab zahlreiche Konzerte in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien und China, als Pianistin und Organistin, als Solistin und in Kammermusik.

 

Wochenplan

Wochentag Tagesprogramm
Sonntag, 14. April Anreisetag mit Abendprogramm: Begrüßung, Vorstellung der Équipe und Ausblick auf die anstehende Begegnungswoche, gemeinsames Diner
Montag, 15. April Einführung in die europäische Tradition des Faust –Themas.
Einordnung des Werks in die Biographie Thomas Manns.
Überblick über den Roman insgesamt.
Dienstag, 16. April Doktor Faust als Künstler-Roman. Kunst zwischen Kälte (Intellekt) und Rausch (Gift). Musik als die Kunst aller Künste.

1. Musiknachmittag mit Mélina Burlaud: Hören der im Text oft genannten Klavier-Sonate Opus 111 von L. v. Beethoven. Musikästhetische Erläuterungen dazu und im Zusammenhang mit dem im Roman Genannten.

Mittwoch, 17. April Der Roman als „Epochenroman“: Das Bild der Zeit und ihrer gesellschaftlichen und spirituellen Geste. Doktor Faust alias Adrian Leverkühn als für Deutschland stehende Figur. Seine Katastrophe und die Deutschlands parallelisiert.
Donnerstag, 18. April Der Teufelspakt bei Thomas Mann und anderen, vom Volksmund bis heute. Das Böse und seine Metaphern.

2. Musiknachmittag: Wir hören und erläutern Arnold Schönbergs Zwölftonmusik, gespielt von Mélina Burlaud. (Im Roman die von Adrian Leverkühn erfundene Musik).

Freitag, 19. April Zusammenfassende gemeinsame Deutungsversuche und Rückblick auf die Woche. Offene Fragen. Ausblick.

Festlicher Abschlussabend:
Konzert von Mélina Burlaud: L. v. Beethoven Opus 111 und Arnold Schönberg Suite für Klavier und evtl. Lesung einer Auswahl einiger Szenen aus der Woche.

Samstag, 20. April Verabschiedung nach dem Frühstück
Frühstück täglich um 9h, Mittagessen um 13h, Abendessen um 19h30. Denkzeiten vormittags von 10:30h bis 12:30h, nachmittags von 15:30h bis 18:00h.

Änderungen je nach Wünschen der Gruppe vorbehalten.

 

Preis

Denkwochencode: 0219HMA

1.890€ im Einzelzimmer (1.680€ p.P. im Doppelzimmer) inklusive Vollpension und aller nicht-alkoholischen Getränke, Seminargebühr sowie 6 Übernachtungen im Château d‘Orion, Aquitanien, Frankreich. Alle Preise inkl. Mehrwertsteuer.

Bei Buchung bis zum 30.11.2018 bieten wir eine Early Bird Reduktion von 10% auf den Gesamtpreis der Denkwoche (1.701€ p.P. im Einzelzimmer / 1.512€ p.P. im Doppelzimmer).

Für Ihr Wohlbefinden fühlt sich die gesamte Équipe d’Orion zuständig. Sprechen Sie uns gerne schon vor Ihrer Buchung an!

Bergkette der Pyrenäen_Foto Daniel Berkmann Hausfront_Foto Janna-Marie Schwanemann (1) Salon_Foto Janna-Marie Schwanemann

Näher beschreibt eine eigene Seite den komfortablen wie stilvollen Aufenthalt und auf der Seite des Château d’Orion finden Sie Hinweise zur Anreise. Es ist leichter als gedacht.

[Zur Anmeldung…]

 

 

 

 

Die Denkwochen 2019 werden von unserem Partner Château d’Orion veranstaltet.